Buenos
Aires und südliches Patagonien
Im Land der Gletscher und Eisberge - Eine Reise ans Ende der Welt
23.01.-13.02.2009
Freitag, 23.1.09
Flug Düsseldorf – Frankfurt – Buenos Aires
Das Lufthansa-Kabinenpersonal beabsichtigte in dieser Woche zu streiken. Das hat vor Abflug noch für ein paar unruhige Tage gesorgt. Am Freitag sollte es dann tatsächlich soweit sein. Aber letztendlich war nur Frankfurt betroffen, bis 9.15 Uhr. Unser Flieger sollte um 10.15 Uhr starten, und es ist Langstrecke, sollte also nicht betroffen sein. Und da in Düsseldorf nicht gestreikt wird, kommen wir schon mal nach Frankfurt. Abflug ab DUS sollte um 6.35 Uhr sein. Aufgrund der frühen Uhrzeit nahmen wir ein Taxi (23 Euro. Es regnete.
Die Maschine startete relativ pünktlich. Flugzeit: 30 Minuten. Vor der Landung drehten wir eine Schleife. Man konnte das nächtliche Frankfurt auf der rechten Seite sehr schön sehen. Bei der Landung sahen wir ein Flugzeug der TUI in Haribo-Lackierung, witzig!
Aufgrund des Streiks verzögerte sich unser Abflug nach Buenos Aires um 30 Minuten, da das Personal gerade aus einer Versammlung kam. Es ging quer über den Atlantik, ab den Kanaren eine ganz neue Flugroute für uns.
Wir
überflogen die kanarischen Inseln, auf der linken Seite konnte man Fuerteventura
sehen, rechts (das sagte zumindest der Flugkapitän - Helmut Schmidt) Teneriffa
mit dem Teide. Dann kamen die Kapverden, und schließlich die Küste von
Brasilien, bei Natal, glaube ich. Man sah die Bucht von Salvador, Regenwald,
sich windende Flüsse. Rio de Janeiro (das hätte ich gerne mal von oben gesehen)
war wohl zu weit weg. Aber hier waren sowieso überall Wolken, auch bei Sao
Paolo.
Vier Filme wurden gezeigt: Wall-E, Ghost Town - Wen die Geister lieben, Journey
to the Center of the Earth, Nights in Rodanthe - Das Lächeln der Sterne.
Drei Mahlzeiten wurden serviert, zum Hauptessen gab es kostenlos Wein oder Bier und anschließend einen Baileys.
Wir überflogen den Rio de la Plata und dann Buenos Aires.
Trotz der
Verspätung landeten wir pünktlich um 21 Uhr Ortszeit (24 Uhr nach deutscher
Zeit), genau zum Sonnenuntergang. Die Flugzeit betrug 12 Stunden, 45 Minuten.
Zeitverschiebung war 3 Stunden.
Die Einreise ging schnell und unkompliziert. Auf das Gepäck mussten wir bei der
großen Maschine ein Weilchen warten. Schnell durch den Zoll, dann steht man
direkt vor den Taxischaltern. Uns waren (auch aus Sicherheitsgründen) die
Remisen von Tienda Leon empfohlen worden, die einen etwas gehobeneren Standard
haben als die normalen Taxis. Man kauft ein Ticket für 144 Pesos (entspricht 33
Euro) und wird direkt dem Fahrer übergeben. Alternativ bietet die Firma auch
Busfahrten an, was vor allem für eine Person um einiges günstiger ist (45 Pesos)
aber auch länger dauert. Die Fahrt ins Hotel mit der Remise dauerte keine 30
Minuten.
Über splendia.com hatten wir das Hotel Reina del Plata gebucht. Über die
Webseite gab es 25% Rabatt, so dass wir statt 139 US Dollar nur noch 104 Dollar
pro Nacht zahlten (82 Euro). Luxus sollte man nicht erwarten, aber das Hotel war
sehr ordentlich. Wir hatten ein Zimmer mit Twin Beds, Minibar und Safe. Es gibt
WiFi und ein Internet-Terminal. Das Hotel liegt sehr zentral im Microcentro,
keine fünf Gehminuten von der Plaza de Mayo, aber trotzdem sehr ruhig in einer
Seitenstraße. Schnell fielen wir ins Bett und waren gespannt auf den nächsten
Tag…
Samstag, 24.1.09
Buenos
Aires (Microcentro, Puerto Madero)
Wetter: leicht bewölkt,
35 °C
Das Frühstücksbüffet im Hotel war nicht schlecht. Es gab Rührei, Bacon, Toast, Croissants, kleine Brötchen, Cereals, frisches Obst, Obstsalat, Kuchen, Kaffee, Orangensaft…
Kurz vor 9 Uhr machten wir uns auf zur Plaza de Mayo, wo sich der Regierungspalast Casa Rosada, die Kathedrale, die Pirámide de Mayo und der Cabildo, der frühere Sitz des Stadtrates befinden. In der Banco Santander an der Ecke holten wir erst mal Bargeld. Die Summen, die abgehoben werden können sind stark begrenzt. Hier gab es maximal 500 Pesos, ca. 113 Euro. Man kann aber mehrmals hintereinander abheben. Es gab jeweils fünf 100-Pesos-Scheine.
Anschließend spazierten wir die Fußgängerzone in der Calle Florida hinauf. Hier befindet sich die Einkaufsmeile von Buenos Aires, sowie in der Querstraße Calle Lavalle. Wir warfen einen Blick in die Galería Pacífico, und erreichten schließlich das nördliche Ende an der Plaza San Martín. Dort befindet sich ein Park mit großen Ombú-Bäumen, wo sich allerdings auch gerne die Obdachlosen niederlassen, wie auch in anderen Parks der Stadt. Aber hier tanzte ein Tango-Paar! Da wollte ich natürlich gerne Fotos machen und dafür auch einen kleinen Obolus abgeben, aber wir hatten kein Kleingeld! Also machten wir uns auf die Suche nach einem kleinen Laden. Wir wollten ja auch noch was zu Trinken kaufen. Am anderen Ende des Parks war das aber leichter gesagt als getan. Als wir schließlich fündig wurden, konnte die Verkäuferin keinen 100-Pesos-Schein (23 Euro) wechseln! Also in die nächste Apotheke, dort gibt’s auch Getränke. Auch hier konnte man nicht wechseln. Eine Frau war uns dann aber behilflich. Sie begleitete uns bis zu einem Supermarkt (Disco), der etwas versteckt lag. Hier bekamen wir bei unserem Getränkekauf endlich Wechselgeld! Aber auch deren Kassen wiesen nicht viel Kleingeld auf. Nun aber schnell zurück zum Park. Das Tanzpaar war noch da!
Nachdem wir unsere Bilder gemacht hatten, liefen wir Richtung Teatro Colón, eins der besten Opernhäuser der Welt, zur Avenida 9 de Julio, mit 125 Metern eine der breitesten Straßen der Welt. An der Kreuzung zur Avenida de Mayo befindet sich auch der Obelisk, der zum 400. Jahrestag der Gründung von Buenos Aires aufgestellt wurde.
Die Avenida de Mayo ist eine Prachtstraße mit schönen alten Gebäuden, die von der Plaza de Mayo bis zum Kongresspalast führt. Wir wandten uns nun Richtung Plaza del Congreso. Der Kongresspalast erinnert an das Kapitol von Washington, der letzte Programmpunkt unseres Rundgangs, es war ungefähr 12.30 Uhr. Wir liefen einmal um den Platz und hier passierte es – eine Frau lief hinter uns her, und sagte, Taubenkacke wäre auf Volkers Rucksack. Und tatsächlich waren dort weiße Flecken. Volker nahm den Rucksack ab, eine Frau gab uns ein Taschentuch, eine andere Frau wollte mir noch was zeigen, dann sagte jemand, Volkers Rucksack wäre weg! Wir wollten hinterher laufen, sahen aber niemanden mehr. Im Rucksack befanden sich das am Vormittag abgeholte Bargeld, Volkers Kamera, ein Fernglas, der Personalausweis, Impfpass, Führerschein, Haustürschlüssel, Kreditkarten! So eine Sch….!
Immerhin waren wir schlau genug gewesen, wenigstens den Reisepass im Hotelsafe zu lassen! Sonst hätten wir den Rest des Urlaubs vergessen können. Ich hatte noch meine Kreditkarte und meinen Führerschein. Und dabei hatten wir sogar schon von den Trickdieben gehört, die einem irgendwas auf den Rucksack schmieren und anschließend ist das Portemonnaie weg! Aber irgendwie haben wir in dem Moment nicht geschaltet und angenommen, die Leute wollten uns nur helfen…
Wir waren natürlich erst mal völlig durch den Wind, sind so schnell wie möglich zurück zum Hotel und haben die Kreditkarten telefonisch sperren lassen. Dann gingen wir zur Polizeistation, es gibt extra ein Touristenkommissariat, wo das Hotel vorher für uns angerufen hatte. Dort füllten wir ein Formular aus und sollten noch auf eine Polizistin warten, die Englisch sprach. Während wir warteten kamen die nächsten… Ihnen hatte man den Rucksack geklaut, den der eine beim Gepäckausladen aus dem Taxi abgestellt hatte. Dann kamen die nächsten… Ihr hatte man die Kamera geklaut… Wir fuhren dann noch mit dem Taxi (12 Pesos; unser Kleingeld war leider auch weg, aber der Taxifahrer konnte wechseln) zu der zuständigen Dienststelle und nahmen dort ein Protokoll auf. Um 16 Uhr waren wir fertig. Über die Avenida de Mayo liefen wir wieder zurück und gingen für Volker einen neuen Rucksack kaufen, so kamen wir noch zu einer Einkaufstour. Wenn man genau hinschaut, sieht man auch, dass viele Leute, ihren Rucksack vor dem Körper tragen... Es gibt auch sehr viel Polizeipräsenz. Nur auf der Plaza del Congreso war gerade niemand…
Wir machten uns anschließend auf den Weg nach Puerto Madero, den alten Hafen, der schick herausgeputzt wurde mit neuen Bürotürmen und Restaurants. Nahe der Fußgängerbrücke Puente de la Mujer liegen zwei alte Segelschiffe vor Anker, die auch besichtigt werden können. Wir entdeckten ein Hooters. Das wollte ich schon länger mal ausprobieren, obwohl ich nicht unbedingt amerikanische Küche in Argentinien essen muss, na ja. Allzu großen Hunger hatten wir auch nicht. Für zwei große Salate mit Cola, Bier und einem Cocktail bekamen wir eine Rechnung über 95 Pesos (22 Euro). Um 10% Trinkgeld wurde gebeten. Wir schlenderten noch etwas an der Hafenpromenade entlang, wo auch Liveband aufspielte, dann liefen wir zurück ins Hotel. Für heute hatten wir genug.
Sonntag, 25.1.09
Buenos Aires (San Telmo), Flug nach Patagonien (El Calafate)
Wetter: bedeckt, regnerisch, später sonnig
An diesem Morgen legten wir bis auf ein bisschen Bargeld alles in den Safe und nahmen nur die Kamera mit. So hätten wir es von Anfang an halten sollen. Maximal einen Bauchgurt mitnehmen oder wenn kein Safe vorhanden ist, besser noch einen Geldgurt.
Gegen einen Aufpreis von 30 US Dollar arrangierten wir mit dem Hotel einen Late Check-out bis 15 Uhr. So konnten wir bis zu unserem Abflug alle Sachen noch im Zimmer lassen und auch noch mal duschen und uns für die Weiterreise umziehen.
Heute wollten wir uns noch das ehemalige Hafenviertel San Telmo anschauen. In San Telmo wohnten Sklaven, Fischer aber auch reiche Kaufleute. Schon auf der Calle Defensa saßen die Straßenhändler. Wir liefen bis zur Plaza Dorrego, wo jeden Sonntag ein Flohmarkt abgehalten wird. Auch Tangotänzer geben sich hier ein Stelldichein, und wir entdeckten auch gleich ein Tanzpaar. Direkt nebenan befindet sich die wunderschöne Kirche Nuestra Señora de Belén. Nach ca. 2 Stunden beendeten wir den Rundgang.
Anschließend liefen wir noch einmal die Florida hoch, dann die Lavalle. Hier fanden wir ein Lokal, in dem wir Omeletts bestellten. Danach ging es ins Hotel zurück. Nach dem Auschecken ließen uns von der Rezeption ein Radio Taxi bestellen. Wenn man in Buenos Aires Taxi fährt, sollte man aus Sicherheitsgründen zumindest ein Radio Taxi nehmen, da diese registriert sind. Im Gegensatz zur Remise kostet dies nur 88 Pesos (20 Euro) zum Flughafen Ezeiza (die Endsumme wird immer auf den nächsten runden Betrag aufgerundet). Leider hatte Aerolineas Argentinas unseren Flug kurzfristig (zwei Tage vor Abflug) vom Domestic Airport José Newbery auf den internationalen Flughafen verlegt, der wesentlich weiter von der Innenstadt entfernt liegt.
Auf dem Inlandsflug konnten wir nur 1 Gepäckstück à 15 kg kostenlos aufgeben. Das haben wir auch gerade so einhalten können. Der Aufpreise für ein paar Kilo mehr wäre allerdings nicht sehr gravierend gewesen. Airport Tax brauchten wir keine zahlen, das es sich um einen Domestic Flight handele.
Unser Abflug mit der Partnerairline Austral vom Domestic Terminal ging relativ pünktlich vonstatten um 16.40 Uhr. Die argentinischen Maschinen sollen ja häufig Verspätung haben. Der Flug dauerte drei Stunden, zwischendurch gab es ein einfaches Sandwich. Wir flogen zum Teil noch über Küste, dann über die Pampa. Bei der Landung konnten wir rechterhand den Lago Argentino, den größten See Argentiniens, und die weißen Gipfel der Andenkette dahinter sehr schön sehen. Es gab noch einmal eine Stunde Zeitverschiebung zu unseren Gunsten, d.h. wir kamen eine Stunde früher in El Calafate an, um 18.45 Uhr Ortszeit. Wir befinden uns hier im südlichen Teil Patagoniens, in der Provinz Santa Cruz.
Der Flughafen von El Calafate ist sehr klein, und direkt nach der Gepäckausgabe landeten wir an den Mietwagenschaltern. Wir hatten mit Alamo die Übernahme direkt am Flughafen vereinbart. Der Mitarbeiter übergab uns wie vereinbart die Papiere für die Überführung des Wagens nach Chile, dann zeigte er uns das Fahrzeug. Über holidayautos.de hatten wir die dritte Kategorie (Fiat Palio o.ä.) gebucht. Zum Buchungszeitpunkt Ende Oktober gab es gerade ein Frühbucherspecial, so dass wir „nur“ 563 Euro für 16 Tage zahlten, statt über 700 Euro. Wir bekamen einen VW Gol. Die Frontscheibe hatte ganz unten quer einen Riss, allerdings nur außen, die Reifen wiesen nicht mehr allzu viel Profil auf, und an vielen Stellen waren Beulen. Na ja. Der Wagen hatte 61.350 km auf dem Tacho. Die Zulassung war von 2007?! Er machte jedenfalls einen älteren Eindruck. Da Volkers Führerschein weg war, gingen wir davon aus, dass ich nun fahren müsste. Aber wir hatten noch eine Kopie von unseren Führerscheinen online gestellt und in einem Internetcafé ausgedruckt, und wider Erwarten akzeptierte Alamo die Kopie für die Anmietung! Na, das lief ja schon mal gut, aber hoffentlich kommt jetzt keine Polizeikontrolle!
Der Flughafen liegt ca. 20 km von El Calafate entfernt. Kurz vor dem Ort befindet sich eine Kontrollstation der Polizei, aber die wollten immer nur wissen, wo wir herkommen bzw. hinfahren wollten…
Für eine Nacht hatten wir die Hostería Hainen gebucht, auf einem Hügel oberhalb des Orts gelegen. Unser Zimmer hatte ein Queen Bed und sogar einen Kühlschrank, für 230 Pesos (52 Euro). Die Unterkunft war ganz nett, es gab einen PC mit Internetzugang zur freien Verfügung.
Fürs Abendessen gingen wir nur in den örtlichen Supermarkt La Anónima. Dort holten wir leckere Teigtaschen (Empanadas) gefüllt mit Hähnchen (pollo) bzw. Thunfisch (atún) und eine Flasche Wein (Malbec).
Gefahrene Kilometer: 21
Montag, 26.1.09
El Calafate – El Chaltén (Los Glaciares National Park – Fitz Roy Area: Wanderung
zum Mirador Las Cóndores, Fahrt zum Lago del Desierto)
Wetter: leicht bewölkt,
windig, ca. 20 °C
Das Frühstück fiel etwas mager aus: süße Croissants, Cornflakes, Saft, Kaffee, Tee.
An der Banco Santa Cruz deckten wir uns noch mit Bargeld ein (Maximalbetrag 500 Pesos pro Abhebung), denn in El Chaltén hat man dafür nicht allzu viele Möglichkeiten.
Um 8.15 Uhr machten wir uns auf den Weg nach El Chaltén: 213 km Richtung Norden, bis auf 20 km vor bzw. hinter dem Hotel La Leona ist die Strecke mittlerweile geteert, an dem Rest wird gearbeitet. Die Landstraßen hier unten sind sehr einsam. Die meisten Urlauber sind mit geführten Touren in Reisebussen oder als Backpacker mit Überlandbussen unterwegs. Mit dem eigenen Auto konnte man aber unterwegs überall anhalten, um Fotos zu machen, das haben wir sehr genossen.
Kurz hinter dem Hotel La Leona, wo die Teerstraße wieder anfängt, sehen wir ihn – den Mount Fitz Roy!
In der Sprache der Indianer heißt er El Chaltén – der Rauchende. Er ist bekannt dafür, dass er oft in den Wolken hängt, aber heute kann man ihn schon von weitem sehen – toll! Nach 3,5 Stunden Fahrt erreichten wir unser Ziel. Während es in El Calafate noch windstill war, wehte auf der Strecke hierher ein ganz ordentlicher Wind. Die Tage sind um diese Jahreszeit recht lang. Hell wird es um 5.30 Uhr, dunkel gegen 21.30 Uhr.
Ich hatte gehört, dass der Ort El Chaltén auch nur aus Staubstraßen besteht, aber bis auf ein paar Nebenstraßen ist das offenbar auch passé. Das Dorf besteht erst seit 1985 und dient nur als Basislager für den Nationalpark Los Glaciares (Northern Area), d.h. rund um den 3405m hohen Granitgipfel Fitz Roy, benannt nach dem Kapitän von Darwins Forschungsschiff. Es gibt diverse Unterkünfte und Restaurants, zwei Supermärkte, mehrere Bäckereien, Internetcafés, eine Tankstelle und seit einigen Wochen auch einen Bankautomaten.
Wir hielten direkt am Visitor Center am Ortseingang hinter der Brücke, wo gerade ein kleiner Vortrag zu den Wanderwegen im Nationalpark gegeben wurde, in Spanisch und in Englisch, und erhielten eine kostenlose, kleine aber ausreichende Wanderkarte. Eintritt muss man hier nicht zahlen.
Als nächstes fuhren wir zu unserer Unterkunft, wo wir direkt einchecken konnten. Wir hatten für vier Nächte gebucht. Die Posada Inlandsis gehört zu den günstigeren Unterkünften im Ort: 210 Pesos (46 Euro) pro Nacht abzüglich 5 Prozent Barzahlungsrabatt. Unser recht kleines Zimmer hatte zwei Einzelbetten, keinen Fernseher und mehr oder weniger Blick auf den Fitz Roy. Es gab auch kein Internet (das war anscheinend defekt), aber die Atmosphäre war ganz nett. Die Mitarbeiter sprachen gutes Englisch.
Bei dem
schönen Wetter wollten wir direkt noch die kurze Wanderung zum Mirador Las
Cóndores und zum Mirador Aguilas machen. Bis zum ersten Aussichtspunkt brauchten
wir eine halbe Stunde. Von dort hat man einen schönen Blick auf den Fitz Roy,
sowie auf El Chaltén, und wenn man Glück hat, kann man Kondore hoch oben fliegen
sehen. Nach insgesamt einer Stunde hatten wir den zweiten Aussichtspunkt
erreicht, von wo man auf den Lago Viedma in der Ebene blickt. Auf dem Rückweg
von dort hat man auch wieder schöne Ausblicke auf den Fitz Roy. Nach 40 Minuten
waren wir wieder unten am Visitor Center. Der Höhenunterschied betrug 100 Meter,
ca. 4 km.
Anschließend fuhren wir durch den Ort hindurch bis zum anderen Ende. Von dort
führt eine insgesamt recht gut zu fahrende Schotterpiste entlang des Rio de las
Vueltas bis zum Lago del Desierto. Wir liefen noch zu einem schönen Wasserfall,
dem Chorillo del Salto (nachmittags im Gegenlicht). Vom offiziellen Parkplatz
waren es keine 10 Minuten. Von El Chaltén aus läuft man eine Stunde.
Wir fuhren die Strecke bis ganz zum Ende (37 km). Bis zur Brücke über den Río
Electrico gibt es tolle Aussichten auf die Berge, wir begegneten auch ein paar
Pferden, danach zieht sich die Strecke noch eine ganze Ecke und war auch nicht
mehr soo sehenswert, man fährt hauptsächlich durch Wald, kommt aber auch noch an
dem ein oder anderen Wasserfall vorbei. Nach 1 Stunde 15 Minuten Fahrtzeit
hatten wir den See erreicht. Von hier ist noch eine Wanderung zum Huemul
Gletscher möglich (16 Pesos pro Person), aber dafür war es inzwischen schon
recht spät. Über eine Hängebrücke kann man zum anderen Seeufer laufen.
In einem Café probierte ich einen Maté-Tee. Das ist sehr gewöhnungsbedürftig.
Zurück in unserer Unterkunft gingen wir duschen, und anschließend ging es in eine Microbrewery (Cervezeria) zum Abendessen. Wir nahmen beide einen argentinischen Lammeintopf (Locro), dazu für mich eine Cola und ein Glas Wein sowie zwei Gläser hausgebrautes Bier für Volker, für 117 Pesos (26 Euro) plus Trinkgeld.
Gefahrene Kilometer: 306
Dienstag, 27.1.09
Los Glaciares/Fitz Roy (Wanderung zur Laguna Torre)
Wetter: teils Wolken, teils Sonne, ein paar Regentropfen, größtenteils
windstill, Sturmböen, ca. 18 °C
Zum Frühstück gab’s Kaffee mit heißer Milch, ansonsten war es wieder etwas mager: Cornflakes mit flüssigem Joghurt statt Milch, Brot mit Marmelade.
Auf die Wettervorhersage, wenn es denn eine gibt, ist kein Verlass, jedenfalls hatten uns die Ranger einen Tag mit guter Sicht vorausgesagt, aber als wir morgens aufstanden, sahen wir viele Wolken. D.h. der empfohlene Aufstieg auf den Loma del Pliegue Tumbado (950 Höhenmeter) mit Ausblick über den Fitz Roy, den Cerro Torre und das patagonische Inlandeis würde sich nicht lohnen, wäre aber wahrscheinlich auch ein bisschen viel gewesen für den ersten Tag. Auch Laguna de los Tres fiel flach. Also machten wir uns auf zur Laguna Torre. Die Wanderwege sind sehr gut ausgeschildert, doch wir mussten noch ein bisschen suchen, bis wir den richtigen Ausgangspunkt in der Ortsmitte fanden. Vorher deckten wir uns in einer Bäckerei noch mit Empanadas (Pollo, Atún, Carne) zum Mitnehmen ein. Einige Müsli- und Powerriegel hatten wir schon aus Deutschland mitgebracht.
45 Minuten liefen wir bis zum Abzweig El Chalten norte, nach einer Stunde hatten wir den Aussichtspunkt (Mirador Cerro Torre) erreicht. Nach diesen 250 Höhenmetern geht es ein kurzes Stück bergab, dann läuft man weitgehend eben, bis man nach insgesamt knapp zwei Stunden den Abzweig zum Lago Madre e Hija erreicht. Es fielen ein paar Regentropfen, aber nie so viele, dass man die wasserdichte Jacke überziehen musste. Eine weitere Stunde dauerte es bis zur Laguna Torre. Der letzte kurze Anstieg der 11-Kilometer-Strecke erfolgt über ein Geröllfeld. Am anderen Ende der Lagune sieht man den Glaciar Grande. Nur der Cerro Torre (3102m) hing leider komplett in den Wolken, wofür er bekannt ist.
Wir machten eine kurze Lunchpause und beschlossen dann, noch bis zum Mirador Maestri weiterzulaufen. Dafür läuft man auf dem Geröllrand des Gletschersees entlang (noch mal 50 Höhenmeter) und nähert sich immer mehr dem Glaciar Grande. Die Aussicht war sehr schön. Nun fehlte nur noch der Cerro Torre… Während es noch windstill war, als wir losliefen, kamen auf halber Höhe starke Windböen auf. Zusammen mit ein paar anderen Wanderern kämpften wir uns noch weiter, bis wir nach einer Stunde kurz vor dem Ende umdrehten. Der Wind hatte mittlerweile Orkanstärke und hat uns fast von den Füßen gerissen! Wir warteten immer wieder einen kurzen Moment ab, wo er etwas nachließ, um das nächste Wegstück auf dem Abhang zurückzulegen. Am Ende wurde es so schlimm, dass man nicht mehr gefahrlos weitergehen konnte. Wir drückten uns in den Windschutz von großen Steinen, so gut es ging. Durch auffliegende Sandkörner wurde man regelrecht gesandstrahlt! Der Wind war zum Glück nicht kalt, aber trotzdem waren wir froh um unsere Trekkingjacken und Mützen.
Von einem Moment auf den anderen hörte der Wind wieder auf. Wir liefen schnell das letzte Stück nach unten, und machten uns direkt auf den Rückweg. Mittlerweile schien die Sonne, und man konnte im T-Shirt laufen. Hinter uns war alles schwarz. Zum Ende hin waren unsere Füße ziemlich platt. Insgesamt liefen wir 28 km.
Nach einer Dusche ging es zum Abendessen ins La Tapera, ein ganz kleines Restaurant, wo man für 45 Pesos pro Person ein Hauptgericht mit Vorsuppe bekommt. Vier Gerichte gab es zur Auswahl: einen argentinischen Eintopf, ein vegetarisches Essen und Tapas, sowie ein Gericht bestehend aus Hähnchenstücken mit Kartoffelbällchen in einer sehr leckeren Sauce, für das wir uns entschieden. Dazu eine Gemüsesuppe. Außerdem gab es kleine Brötchen mit Aufstrich, was es in fast jedem Restaurant als Beilage gab. Es hat uns sehr gut geschmeckt. Dazu nahmen wir ein Bier und eine Cola, insgesamt 120 Pesos (27 Euro) inklusive 10% Trinkgeld.
Gefahrene Kilometer: 4
Mittwoch, 28.1.09
Los Glaciares/Fitz Roy (Wanderung zum Piedras Blancas Gletscher)
Wetter: bewölkt, etwas Regen, teilweise windig, ca. 18 °C
Leider sah das Wetter für die Wanderung zur Laguna de los Tres mit Blick auf den Fitz Roy wieder nicht sehr viel versprechend aus. Wir wollten es trotzdem über die einfachere Route Richtung Piedras Blancas probieren.
Wir fuhren wieder auf die Schotterstraße Richtung Lago del Desierto. Nach 17 km (45 Minuten) erreicht man den Abzweig zur Hostería El Pilar. (Hier kann man auch übernachten, die Hostería machte einen netten Eindruck und liegt direkt an einem Fluss, aber bis El Chaltén muss man halt ein ganzes Eck fahren.) Um 9.20 Uhr liefen wir los. Es ging zunächst am Río Blanco entlang, dann geht es durch einen Wald mit vielen Flechten an den Bäumen. Bis auf einen steilen Aufstieg zum ersten Aussichtspunkt auf den Glaciar Piedras Blancas verläuft der Weg ohne große Höhenunterschiede. Der Ausblick auf den Gletscher war sehr schön. Nach 2 Stunden 15 Minuten erreichten wir den Abzweig zum Cerro Fitz Roy. Von dort ist es nicht mehr weit bis zum Zeltplatz Campamento Poincenot, wo wir unsere Mittagspause einlegten.
Wenn es bergauf ging und kein Wind wehte, war es so warm, dass man im T-Shirt laufen konnte. Aber oben auf der Hochebene regnete es leicht, so dass wir unsere Trekkingjacken anzogen und die Mützen aufsetzen. Wenn Wind aufkommt, ist ein Fleece auch nicht verkehrt. Am besten geht man immer nach dem Zwiebelprinzip vor…
Hinter dem Camp beginnt der Aufstieg zum Gletschersee Laguna de los Tres mit dem Fitz Roy dahinter. Das sind 450 Höhenmeter in Kehren die Moräne hoch. Bei starkem Wind soll dies auch nicht ganz ungefährlich sein. Aber an diesem Tag hätte sich die Mühe sicher nicht gelohnt. Der Fitz Roy hing dicht in den Wolken.
Wir liefen stattdessen noch ein kurzes Stück in die andere Richtung bis zum Abzweig zum Lago Madre e Hija. Von dort hätte man theoretisch auch einen schönen Blick auf den Fitz Roy gehabt.
Um 12.40 Uhr machten wir uns wieder auf den Rückweg zur Hostería El Pilar. Zwei Stunden brauchten wir dafür, und unsere Füße waren mal wieder ganz schön platt, da machte sich auch noch der Vortag bemerkbar. Insgesamt hatten wir diesmal wohl ca. 18 km zurückgelegt, bei 150 Höhenmetern.
Wir fuhren nach El Chaltén zurück und kehrten im Café del Bosque auf eine Waffel und einen Kaffee ein. Dann wollten wir noch in den Supermarkt. Doch Rucksäcke sind dort nicht erlaubt! Aber da waren unsere ganzen Wertsachen drin. Wenn es eine Alternative gegeben hätte, wäre ich am liebsten woanders hingegangen, aber so ging nur einer von uns hinein. Ob die vielen Backpacker, die hier unterwegs sind, so häufig was mitgehen lassen?? Hier in Patagonien hatten wir eigentlich keine Sorge, dass man uns den Rucksack vom Rücken klaut, aber irgendwo unbeaufsichtigt rumliegen lassen wollten wir ihn dann doch nicht!
Zum Abendessen gingen wir ins Agonikenk, das war einfach aber OK. Ein dickes Steak mit Kartoffeln kostete hier 34 Pesos (7,50 Euro). Gemüse als Beilage kennen die Argentinier und Chilenen offenbar nicht. Wir gingen nach und nach dazu über uns auch immer noch einen Salat zum Essen zu bestellen. Auch Kartoffeln oder Reis müssen häufig noch separat bestellt werden.
Gefahrene Kilometer: 31
Donnerstag, 29.1.09
Los Glaciares/Fitz Roy (Fahrt nach Tres Lagos, Wanderung Mirador Fitz Roy/Laguna
Capri)
Wetter: Sonne in der Pampa, Regen am Fitz Roy, windig, ca. 15 °C
Irgendwie hatten wir hier kein Glück mehr mit dem Wetter. Heute sah es noch schlimmer aus als an den letzten beiden Tagen.
Nach dem Frühstück entschieden wir, dass es im Moment gar keinen Sinn macht, überhaupt loszulaufen. Es regnete und die Berge hingen komplett in den Wolken. In Richtung Südwesten sah es dagegen gut aus. Allerdings, dort kommt erst mal nichts, was sich lohnen würde anzuschauen! Mangels Alternativen machten wir uns um 9 Uhr dann doch auf den Weg. Mal sehen, wie es in Tres Lagos ausschaut. Das sind immerhin 125 km, eine Strecke! Kaum hatten wir El Chaltén hinter uns gelassen, schien die Sonne! Und wir sahen einen riesigen wunderschönen Regenbogen!
Nach 1,5 Stunden Fahrt auf fast leeren Straßen durch die Pampa erreichten wir Tres Lagos. Kurz vor dem Ort hörte jedoch die Teerstraße auf. Auf der weiteren Strecke auf der Ruta 40 nach Norden hat man nun wohl erst mal nur noch Schotter! Der Ort schien nicht lohnenswert, also drehten wie wieder um, hielten aber noch an der Tankstelle vor dem Ort, um aufzutanken, für 2,15 Pesos (0,48 Euro) pro Liter Super. Unterwegs sahen wir ein paar Guanakos, eine zur Familie der Kamele gehörende Lamaart.
Als wir um 12.30 Uhr wieder in El Chaltén erreichten, war gerade eine Wolkenlücke, und wir beschlossen, doch noch loszulaufen. Bis zur Laguna de los Tres von El Chaltén aus über Laguna Capri sind 750 Höhenmeter zu überwinden (4 Stunden, 12,5 km). Diese Wanderung soll bei guter Sicht die schönste Strecke sein. Aber wenn sich das Wetter nicht bessert, laufen wir halt nur bis zum Mirador Fitz Roy bzw. zur Laguna Capri (350 Höhenmeter).
Wir fuhren zum Wanderparkplatz am nördlichen Ortsausgang. Die ersten 30 Minuten ging es steil nach oben. Als wir das steilste Stück gerade hinter uns hatten, fing es wieder recht heftig an zu regnen. Wir überlegten schon, ob wir abbrechen sollten, stellten uns aber erst mal unter einen Baum, um abzuwarten. Der Regen ließ etwas nach, wir liefen weiter, der Anstieg wurde nun etwas gemächlicher. Nach gut einer weiteren Stunde hatten wir gegen 14 Uhr den Mirador Fitz Roy erreicht. Trotz des Regens konnte man sogar ein bisschen was von den Bergen rund um den Fitz Roy sehen inklusive Piedras Blancas. Weiter zu gehen würde sich heute aber auch nicht mehr lohnen.
Von hier würde der weitere Weg nun ein Stück bergab führen, dann über die Hochebene zum Camp Poincenot, wo wir am Vortag bereits waren. Um nicht die gleiche Strecke hin und zurück zu laufen, könnte man sich auch mit einem Taxi oder Shuttlebus (nicht ganz preiswert) zur Hostería El Pilar fahren lassen, von dort über Piedras Blancas hochlaufen, dann hoch zum Fitz Roy (bei guter Sicht) und über Laguna Capri wieder direkt zurück nach El Chaltén.
Wir liefen nun noch den kurzen Rundweg zur Laguna Capri, wo sich auch ein Zeltplatz befindet. Mittlerweile hatte der Regen endlich aufgehört, unsere Klamotten hatten dicht gehalten! Eine Stunde brauchten wir für den Rückweg. Als wir in El Chaltén ankamen, fing es wieder an zu regnen. Insgesamt waren wir drei Stunden unterwegs. Wir fuhren zur Chocolateria Josh Aike und bestellten heiße Schokolade. Dann erstanden wir noch zwei Stücke hausgemachte Schokolade, alles zusammen für knapp 6 Euro.
Zum Abendessen gingen wir noch einmal in die Cervezeria: zwei Mal mit Lammfleisch gefüllte, hausgemachte Ravioli plus einem Glas Rotwein und einer 1-Liter-Flasche Bier für 99 Pesos (22 Euro) plus Trinkgeld.
Gefahrene Kilometer: 255
Freitag, 30.1.09
El Chaltén – El Calafate (Los Glaciares National Park – Perito Moreno Gletscher)
Wetter: leicht bewölkt,
windstill, ca. 15 °C
Die Dame von der Rezeption sagte uns vor zwei Tagen, dass das Wetter am Freitag wieder besser werden sollte. Und so war es dann auch.
Diesen Tag hätten wir auch noch als Puffer nehmen können. Aber auch wenn das Wetter wieder wesentlich besser aussah, der Fitz Roy war immer noch in den Wolken. Heute wären die Chancen wahrscheinlich nicht schlecht gestanden, dass sich die Wolken zwischendurch mal verziehen, doch noch einmal die gleiche Strecke wie gestern zu laufen, um uns dann anschließend durchgeschwitzt ins Auto nach El Calafate zu setzen, dazu hatten wir auch keine Lust. Der beste Tag, um zum Fitz Roy hochzulaufen wäre tatsächlich unser Ankunftstag gewesen, aber an dem Tag wollten wir die lange Wanderung auch nicht direkt übers Knie brechen…
Wir blieben also bei unserem ursprünglichen Plan und machten uns um 9 Uhr auf den Rückweg nach El Calafate. Der Fitz Roy zeigte sich zum Abschied noch einmal ansatzweise. Wir hatten den Eindruck, dass etwas mehr Schnee auf den Bergen liegt, als bei unserer Anreise.
Wir hatten noch gehört, dass es in der Nähe vom Hotel La Leona einen versteinerten Wald (Bosque Petrificado) geben soll, aber leider kommt man nur mit einer geführten Tour hin (für 110 Pesos pro Person), so dass wir darauf verzichteten.
Um 11.45 Uhr erreichten wir El Calafate. Der Ort verdankt seine Existenz dem Perito Moreno Gletscher, der in den Lago Argentino kalbt. Für zwei Nächte hatten wir die Hostería Glaciares de la Patagonica vorgebucht: 270 Pesos (63 Euro) für ein Zimmer mit King Bed und sogar Blick auf den Lago Argentino. Das Gästehaus liegt auf einem Hügel oberhalb des Ortes, unweit unserer ersten Unterkunft hier. Diesmal gab es auch wieder einen Fernseher auf dem Zimmer, einen Internet-PC zur allgemeinen Verfügung allerdings nicht… Die meisten Unterkünfte bieten aber kostenloses WiFi an, und preisgünstige Internetcafés findet man an jeder Ecke.
Wie das Wetter in El Calafate ist, sagt überhaupt nichts über das Wetter im Nationalpark aus, denn hier in der Pampa soll es nur sehr wenig regnen. Heute schien jedoch auch für die Berge ein guter Tag zu sein, und wir machten uns direkt auf den Weg zum Perito Moreno Gletscher, nicht zu verwechseln mit dem weiter im Norden gelegenen Nationalpark Perito Moreno oder dem Ort gleichen Namens. Bis zum Gletscher sind es 80 km auf durchgängig asphaltierter Straße; etwa 1 Stunde 15 Minuten Fahrt. Der Eintritt in den südlichen Teil des Nationalparks Los Glaciares kostet 60 Pesos (13,50 Euro) pro Person für Ausländer (Gringos), Einheimische zahlen weniger. Da der obere kleine Parkplatz voll war, mussten wir auf dem unteren Parkplatz parken und mit dem Shuttlebus fahren. Über metallene Stege kann man einen Rundweg laufen, von dem man fantastische Ausblicke auf die Nord- und Südseite des Gletschers hat (der gerade schön im Nachmittagslicht lag). Der Gletscher hat eine Oberfläche von 195 km² bei einer Länge von 30 km. Die Frontseite ist 4-5 km lang und 60 Meter hoch. Eindrucksvoll ist das laute Donnern, mit dem immer wieder Eisstücke vom Gletscher abbrechen und in den Kanal der Eisberge (Canal de los Témpanos) fallen. Insgesamt zwei Stunden verbrachten wir hier, so einen Anblick hat man ja nicht alle Tage. Bevor wir uns auf die Rückfahrt machten, gingen wir im Selbstbedienungsrestaurant noch einen Kaffee trinken.
Unterwegs kommt man auch an einer Anlegestelle für Boote vorbei, wo man sich für 35 Pesos (knapp 8 Euro) bis direkt vor die Südseite der Gletscherwand fahren lassen kann. Aber wir hatten schon für den nächsten Tag eine Bootstour gebucht…
Wir stellten fest, dass das Parken in El Calafate wochentags 2 Pesos pro Stunde kostet. Einen Block weiter in den Nebenstraßen kann man sich jedoch kostenlos hinstellen. Zum Abendessen gingen wir ins La Cocina, wo es hausgemachte Pasta mit verschiedenen Füllungen und Saucen gibt, sehr lecker. Wir zahlten 107 Pesos (24 Euro) für 2x Pasta und zwei Gläser Wein, plus Trinkgeld.
Gefahrene Kilometer: 376
Samstag, 31.1.09
El Calafate (Los Glaciares National Park – Gletscherkreuzfahrt)
Wetter: teilweise bewölkt, wenig Wind, ca. 15 °C
Auch hier war das Frühstück etwas spartanisch: Kaffee, Tee, kleine süße Croissants, Marmelade.
Über unsere Unterkunft hatten wir am Vortag Tickets für eine Gletscherbootstour besorgen lassen („Todo Glaciares“, 295 Pesos/67 Euro pro Person), ansonsten hätten wir sie auch selbst bei der Reederei Fernandez Campbell in El Calafate kaufen können. Ein zusätzlicher Transfer hätte noch mal 40 Pesos extra gekostet. Dazu kam noch einmal die Nationalparkgebühr von 60 Pesos, die wir vor dem Einschiffen entrichteten. Für die Fahrt von El Calafate nach Punta Bandera brauchten wir 40 Minuten. Um 8.30 Uhr sollten wir dort sein. 20 Minuten vorher durften wir dann schon aufs Schiff, und da wir frühzeitig da waren, standen wir fast vorne in der Schlange und konnten uns die besten Plätze sichern.
Wir fuhren mit dem größten Katamaran der Gesellschaft, Quo Vadis, der 310 Passagiere fasst. Zeitgleich mit uns fuhr noch ein zweites Schiff, die Upsala Connection, mit einer Kapazität von 150 Personen. Laut der Dame an unserer Rezeption sind die Touren nie ausgebucht. Je nach Bedarf werden einfach mehr oder größere Schiffe eingesetzt.
Um 9 Uhr ging es los. Die Tour sollte zum Upsala Gletscher, zur Laguna Onelli und zum Spegazzini Gletscher führen. Die Fahrt ging in den nördlichen Seitenarm (Brazo Norte) des Lago Argentino, der insgesamt 1500 km² groß ist. Es war wenig Wind, wir hatten kaum Wellengang. Schon bald sahen wir die ersten kleinen Eisberge. Als erstes fuhren wir in die Onelli-Bucht. Um 10.30 Uhr legten wir hier an, und bekamen 1,5 Stunden Zeit, um 800 Meter durch patagonischen Regenwald mit flechtenbewachsenen Bäumen zur Laguna Onelli zu laufen. Dort hat man einen Blick auf die Gletscher Onelli, Bolado und Agassiz, die in den See kalben. Die Laguna soll deshalb ständig mit kleinen Eisbergen gefüllt sein, aber davon waren zu dieser Zeit leider nur sehr wenige zu sehen. Auf einem Baumstamm verzehrten wir unser mitgebrachtes Mittagessen.
Anschließend ging es in Richtung Upsala Gletscher, der eine Fläche von 595 km² bei einer Länge von 60 km aufweist. Die Frontseite is 5-7 km lang. Wir konnten ihn jedoch nur von weitem sehen, da der ganze See voller Eisberge war. Unterwegs kamen wir an ein paar schönen, blau leuchtenden Exemplaren vorbei. Ich hätte nicht gedacht, dass man außerhalb der Arktis Eisberge zu sehen bekommen kann!
Als wir zum Glaciar Spegazzini fuhren, kam auch wieder die Sonne raus. Dieser Gletscher hat eine Oberfläche von 66 km² bei einer Länge von 25 km und einer Breite von 1,5 km. Mit bis zu 80-125 Metern an der Frontseite ist er der höchste Gletscher des Nationalparks.
Gegen 15 Uhr machten wir uns auf die Rückfahrt, so dass wir um 16.30 Uhr wieder im Hafen ankamen.
Die Laguna Onelli war für uns kein besonderes Highlight mehr, aber der Spegazzini Gletscher und die großen Eisberge waren beeindruckend.
Zum Abendessen gingen wir ins Restaurant Upsala in einer Nebenstraße von El Calafate: zwei Mal Lamm (gegrillt bzw. mit Champignoncremesauce) mit Beilagen und zwei gemischten Salaten, und jeweils einer kleinen Flasche Wein bzw. Bier für 166 Pesos (38 Euro) plus Trinkgeld.
Gefahrene Kilometer: 105
Sonntag, 1.2.09
El Calafate – Puerto Natales
Wetter: teilweise bewölkt, wenig Wind, ca. 18 °C
Um 9 Uhr machten wir uns auf den Weg. Heute geht es in den chilenischen Teil Patagoniens, der auf dem Landweg nur von Argentinien aus zu erreichen ist. Die Fahrt geht über die Ruta 40, zunächst hoch auf eine Hochebene. Zwischen El Cerrito und Tapi Aike sind es 70 km gute Schotterpiste. Entlang dieser Piste sahen wir viele Tiere: Nandus, Schafe, Pferde, Rinder, Flamingos und andere Vögel. Und die Reifen haben gehalten!
Bei Tapi Aike kann man bei gutem Wetter schon den Torres del Paine sehen! Ein paar Wolken, aber wir konnten die markanten Gipfel erkennen.
Bei Río Turbio kommt man an einer Kohlemine vorbei, direkt nebenan ein Teich mit Flamingos. Mit diesen Vögeln hätte ich in dieser eher kalten Region weniger gerechnet… Kurz hinter dem Ort kommt zunächst der argentinische Grenzposten, dann ein Stück Niemandsland und dann der chilenische Grenzposten Dorotea. Insgesamt brauchten wir für den Grenzübergang eine Stunde, da wir noch einmal zurückfahren mussten, denn im argentinischen Grenzbüro hatte man uns nach dem Abstempeln des Passes nicht darauf hingewiesen, dass wir nun noch einen Stempel vom Zoll für die Ausfuhr des Mietwagens brauchten. Anschließend dann den Stempel für die Einfuhr von der chilenischen Seite, und nachdem auch noch unser Gepäck gescannt war, durften wir endlich weiterfahren. Nach Chile darf man keine Lebensmittel (Äpfel, Fleisch, etc.) mitnehmen. Von Chile nach Argentinien ist es kein Problem.
Nun war es nicht mehr weit bis Puerto Natales, wo wir um 14.30 Uhr ankamen. Die kleine Hafenstadt liegt direkt am Seno Ultima Esperanza, dem Fjord der letzten Hoffnung, und ist das Tor zum Torres del Paine Nationalpark, einem Trekkingparadies. Dementsprechend gibt es hier jede Menge Backpacker-Unterkünfte. Einmal wöchentlich (donnerstags) wird es voll, wenn die Navimag-Fähre aus Puerto Montt, Chile, hier anliegt. Der Ort selbst bietet keine Sehenswürdigkeiten, aber man kann hier ganz nett durch die Straßen schlendern, denn im Gegensatz zu El Calafate und El Chaltén, die nur durch den Tourismus entstanden sind, ist er historisch gewachsen. 1892 dampfte der Kapitän Hermann Eberhard durch die Kanäle und erstellte Karten, um die Gegend für die Schafzucht zu erschließen.
Wir checkten zunächst im Erratic Rock 2 B&B ein, einem Hostel für Paare: 30.000 Pesos (35 Euro) für ein Doppelzimmer mit Queen Bed. 5 Minuten Fußweg sind es von dort bis ins Zentrum, in zwei Blocks Entfernung liegt das Erratic Rock 1 Backpacker Hostel. Dies ist bekannt für seinen täglichen 3pm Torres del Paine Talk. Dieser dauert 1,5 Stunden und wird von einem Amerikaner gehalten, der das Hostel leitet. Wir hatten es gerade noch rechtzeitig geschafft, durften uns erstmal in der Küche einen Kaffee nehmen und sicherten uns dann einen Platz im Aufenthaltsraum, der schnell brechend voll wurde. Der Vortrag war witzig und sehr informativ, vor allem für Trekker. Je nachdem, wie viele Tage man zur Verfügung hat bzw. unterwegs sein will, kann man das W, den Circuit oder das Q laufen. Wir wollten zwar nur Tageswanderungen machen, trotzdem konnten wir einige nützliche Informationen mitnehmen.
Danach liefen wir durch das Zentrum. Auch hier kann man wie in El Calafate sonntags kostenlos parken. Am Geldautomaten der Santander Bank holten wir uns chilenische Pesos (300.000 pro Abhebung/365 Euro). Direkt gegenüber befindet sich eine kleine Eisdiele. Von dem Softeis waren wir nicht soo begeistert, aber die verschiedenen Eissorten (z.B. Calafate, das ist eine Blaubeere) waren sehr lecker. Vom Bankautomaten hatten wir natürlich wieder nur größere Scheine bekommen, und auf 10.000 Pesos (12 Euro) konnte man uns natürlich wieder nicht rausgeben!
Anschließend fuhren wir mit dem Auto noch einmal die Promenade entlang und weiter die Uferstraße (Schotter) Richtung Süden. Hier findet man sehr schöne Fotomotive: alte Fischerboote, viele Schwarzhalsschwäne und andere Vögel, mit den Bergen im Hintergrund…
Zum Abendessen gingen wir ins El Rincon del Tata (Arturo Prat 236) neben der Kirche. Das war gemütlich und lecker: 2x King Clip Fischfilet mit Kartoffelpüree und einer Halbliterflasche Rotwein für 19.000 Pesos (23 Euro) plus Trinkgeld.
Gefahrene Kilometer: 308
Montag,
2.2.09
Puerto Natales – Punta Arenas
Wetter: sonnig, zunächst windstill, dann ziemlich windig, ca. 18 °C
Die Zimmer im Erratic Rock 2 stellten sich als sehr hellhörig heraus, aber das Frühstück war das beste, das wir in Patagonien bekommen haben: Käseomlett, selbstgebackenes Brot, Käse, Marmelade, Cornflakes, Kaffee, Tee, Saft. Die Eigentümerin war auch sehr nett und spricht sehr gutes Englisch. Es gab auch einen Internet-PC zur allgemeinen Verfügung. Um 9 Uhr kamen wir los. Wir tankten zunächst für 500 Pesos (0,60 Euro) pro Liter (man wird vom Tankwart bedient und rundet die Summe möglichst auf), dann fuhren wir erst mal noch nicht in den Torres del Paine NP, sondern weiter nach Süden, nach Punta Arenas: 250 km auf recht einsamer aber geteerter Landstraße. Unterwegs kamen wir an einer Polizeikontrolle vorbei, wurden jedoch zum Glück nicht angehalten, und zwei Mal entdeckten wir einen patagonischen Fuchs entlang der Straße. Von der Provinz Ultima Esperanza wechselten wir nun in die Provinz Magallanes.
Der Verkehr in Punta Arenas war recht heftig. Wir fanden aber problemlos zu unserer für zwei Nächte vorgebuchten Unterkunft: Hostal Maipu Street. Das ist ein Vorteil der in Quadraten angelegten Straßen: die Orientierung ist recht einfach, allerdings hat man häufig ein Einbahnstraßensystem. Um 12 Uhr waren wir dort, aber hier machte uns erst mal niemand auf. Das hatten wir bisher noch nicht erlebt, dabei wurde gerade hier mit 24-Hour Reception geworben… Na ja, dann laufen wir halt erst mal in die Stadt. Der zentrale Platz ist die Plaza de Armas mit dem Magellan-Denkmal, der Kathedrale und dem Stadtpalais von Sara Braun, die zu den reichen Viehzüchterfamilien der Region gehörte. In einem Supermarkt kauften wir uns ein paar Empanadas und liefen dann hoch zum Mirador Cerro de la Cruz mit Blick über die Stadt. Hier oben gibt es sogar zwei Cafés, wo wir uns noch einen Café con leche genehmigten. Dann liefen wir zum berühmten Friedhof der Stadt. Hier findet man zahlreiche Mausoleen der reichen Schafzüchterfamilien neben schlichten Gräbern der vielen Einwanderer, auch Deutsche sind darunter. Um 15 Uhr waren wir wieder zurück an unserer Unterkunft und trafen gerade noch die Eigentümerin an, die aus dem Haus kam. Also konnten wir endlich einchecken. Dazu wurden unsere Reisepässe kopiert und wir sollten möglichst auch schon vorab bezahlen (umgerechnet 70 US Dollar pro Nacht). Multi-Lingual Staff war aber auch weit gefehlt. Die Eigentümerin war zwar nett, sprach aber nur rudimentär Englisch, so dass ich mal wieder meine Spanischkenntnisse rauskramen musste. Sie hat nicht alles verstanden, ich habe nicht alles verstanden, aber irgendwie ging es dann doch. Wir bekamen ein Zimmer mit drei Einzelbetten (gebucht waren Twin Beds), es hatte sogar einen Safe. Das Auto sollten wir im Hof parken. Die Unterkunft war sehr ruhig gelegen, etwas abseits des Zentrums, 15 Minuten Fußweg waren es bis zum Main Square. In der Sonne war es warm, aber es wehte ein kühler Wind.
Da unsere Stadtbesichtigung nun soweit abgeschlossen war, setzten wir uns ins Auto und fuhren weiter Richtung Süden. Die Straße nach Puerto del Hambre war erst gar nicht so einfach zu finden. Das waren dann noch einmal 60 km Fahrt, die Hälfte davon auf einer sehr guten Schotterpiste. Es ging immer an der Magellanstraße entlang. Kurz vor Puerto del Hambre geht es nach links in eine kleine Bucht mit vielen Fischerbooten. Am Hungerhafen steht ein Denkmal, dass sich hier einmal spanischer Boden befand. 1583 kamen die Spanier hier mit 8 (von ursprünglich 19) Schiffen an und gründeten eine Kolonie, genannt Ciudad Rey don Felipe. Doch die Kolonialisten verhungerten bald kläglich.
Noch 6 km weiter liegt das Fuerte Bulnes, eine rekonstruierte Festung von 1843, die die Chilenen erbaut hatten, um die Meerenge zu überwachen. Der Eintritt ist kostenlos. Viel weiter kann man auf dem südamerikanischen Kontinent mit dem Auto nicht fahren. Der südlichste Punkt liegt 25 km weiter, das Cabo Froward, das man nur auf einer mehrtägigen Wanderung erreichen kann. Dann kommt nur noch Feuerland.
Auf dem Rückweg entdeckten wir kurz vor Punta Arenas mehrere Schiffswracks, zum Teil unzugänglich auf Militärgelände. Nach drei Stunden waren wir wieder an unserer Unterkunft.
Zum Abendessen gingen wir ins La Luna (O’Higgins 1017): 2x Lomo (Sirloin Steak) mit Beilagen (Pommes bzw. pikantes Kartoffelpüree) und einem Tomatensalat, einer Cola, einem Bier und zwei Piscos Cortes (Pisco ist ein einheimischer Schnaps) für 17.600 Pesos (21 Euro) und Trinkgeld. Das war gut, reichlich und preiswert.
Gefahrene Kilometer: 380
Dienstag, 3.2.09
Punta Arenas (Estancia San Gregorio, Pinguinkolonie Seno Otway)
Wetter: vormittags
regnerisch, nachmittags leicht bewölkt, windstill, ca. 18 °C
Zum Frühstück gab es gebackenes Käsetoast, Toast mit Marmelade, ein kleines abgepacktes Muffin, Nescafé, Tee, Saft. Mit am Tisch saßen Gäste aus Santiago de Chile und Japan.
Um 8.45 Uhr fuhren wir los. Es ging auf die Ruta 255 Richtung Osten (Río Gallegos). Nach 1,5 Stunden Fahrt (120 km) hatten wir die historische Estancia San Gregorio von 1876 erreicht. Mit ihren verlassenen Gebäuden wirkt sie wie eine Geisterstadt. Auf der anderen Seite der Straße liegt der Strand, wo sich zwei Schiffswracks befinden: das Dampfschiff Amado und der Clipper Ambassador.
Leider fing es gerade an zu tröpfeln, als wir hier ankamen, aber bald hörte es auch wieder auf. Nach etwa einer Stunde machten wir uns auf den Rückweg. Sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt begegnete uns ein Fuchs. Hier waren sogar Warnschilder aufgestellt.
Nun machten wir uns auf den Weg zur Pinguinkolonie am Seno Otway. Der Abzweig (ausgeschildert) zur Pinguinera befindet sich ca. 5 km nördlich vom Flughafen von Punta Arenas, insgesamt 70 km nördlich der Stadt. Nun fährt man 38 km (knapp 1 Stunde) auf einer Waschbrettpiste. Für die letzten 13 km auf einer Privatstraße zahlt man 1000 Pesos (1,22 Euro) pro Person Benutzungsgebühr. Der Eintritt kostet 10 US Dollar oder 4500 Pesos (5,50 Euro). Um 13.45 Uhr waren wir dort.
Es gibt einen 1,5 km langen Rundweg über einen Holzsteg mit mehreren Aussichtspunkten. Insgesamt soll es 11.000 Tiere in dieser Kolonie geben, aber leider waren nur knapp 100 Jungpinguine am Strand, sowie ein paar vereinzelte an den Höhlen. Die Elterntiere waren alle im Meer auf der Jagd und sollten erst gegen 19 Uhr zurückkommen. Das wäre bestimmt ein Erlebnis, wenn alle gleichzeitig wieder an Land kommen, aber so lange wollten wir dann doch nicht mehr warten. Nach insgesamt zwei Stunden Aufenthalt einschließlich eines Kaffees im kleinen Café fuhren wir zurück nach Punta Arenas.
Von dort aus lassen sich auch Bustouren zu den Pinguinen vom Seno Otway organisieren. Die Tiere sind von September bis März in der Kolonie anzutreffen, wo sie ihre Jungen aufziehen. Alternativ hätte man einen mehrstündigen Bootsausflug zu einer noch größeren Kolonie auf der Isla Magdalena machen können. Die Touren finden in der Regel nachmittags statt.
Heute war ein ungewöhnlich windstiller Tag, das sagte uns auch der Ranger an der Pinguinera. Eigentlich ist diese Gegend ja sehr bekannt dafür, dass einem der Wind um die Ohren pustet…
Zum Essen gingen wir ins La Marmita (Plaza Sampaio 678) in der Nähe des Abu Gosch Hipermarkets. Dort gibt es eine kleine Auswahl von regionalen Gerichten. Wir bestellten Congrio (King Clip) mit Tomaten und Zucchini und einer Art Reis sowie Cordero (Lammbraten) mit Gemüse in einer Teigtasche. Beides war ungewöhnlich angerichtet, aber sehr lecker. Mit einem Glas Wein, einer Flasche Bier sowie jeweils einem Nachtisch (Mousse bzw. Eistorte) zahlten wir 22.000 Pesos (27 Euro) plus Trinkgeld.
Anschließend gingen wir noch in ein Internetcafé: 30 Minuten für 230 Pesos/CLP (0,28 Euro). Internet war in Chile so günstig, dass wir es kaum glauben konnten. In Argentinien zahlten wir für 30 Minuten 5 Pesos/ARS (1,10 Euro).
Gefahrene Kilometer: 331
Mittwoch, 4.2.09
Punta
Arenas – Parque Nacional Torres del Paine
Wetter: teilweise
bewölkt, windstill, ca. 25 °C
Um 8.45 Uhr fuhren wir in Punta Arenas los. 2,5 Stunden brauchten wir bis Puerto Natales, wo wir noch einmal einen kurzen Einkaufsstop im Abu Gosch einlegten. Um 12 Uhr fuhren wir weiter. Nun ging es so schnell wie möglich in den Torres del Paine Nationalpark. Wir nahmen die 2007 eröffnete Staubstraße zum Westeingang. Dabei kommt man an der Cueva del Milodón vorbei, einer Höhle, in der 1865 Fell- und Knochenreste von einem Riesenfaultier gefunden worden waren. Dorthin werden auch Ausflugsfahrten angeboten, doch eine Höhle und eine Nachbildung des Riesenfaultiers interessierten uns weniger. Nach 2,5 Stunden Fahrt mit Blick auf die Berge des Nationalparks (unterwegs gibt es drei Aussichtspunkte: Lago Toro, Glaciar Grey, Los Cuernos) erreichten wir die Parkadministration am Lago del Toro. Am Parkeingang war eine Gebühr von 15.000 Pesos (18 Euro) pro Person zu zahlen. Das Ticket gilt solange man den Park nicht verlässt. Dazu gab es eine Karte mit den Straßen und Wanderwegen.
Auf der Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft im Park, die auch mit dem Auto angefahren werden kann, sind wir auf die Posada Río Serrano gestoßen (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Hotel). Diese befindet sich direkt an der Parkverwaltung. Das Gebäude ist alt, und die Zimmer sind sehr einfach, aber hier gibt es im Gegensatz zu den Herbergen im Park sogar Doppelzimmer mit eigenem Bad. Wir zahlten 107 US Dollar Vorauskasse pro Nacht mit Frühstück. Zwei Nächte waren gebucht. Unser Zimmer hatte Twin Beds und war leider direkt neben dem Restaurant gelegen. Strom gibt es nur per Generator vormittags und abends bis 22.30 Uhr. Ansonsten hat man Kerzen… Einen Fernseher gab es nicht, aber immerhin einen Internet-PC zur allgemeinen Verfügung (falls gerade Strom da ist…).
Für eine Hostería im Park hatten wir ein Angebot von einem Reisebüro über 197 Euro pro Person pro Nacht. Falls jemand in einer Hostería übernachten möchte: die Hostería Pehoé ist am schönsten gelegen und sehr zentral.
Wie eine Felsenburg ragen die Gipfel des Torres del Paine aus der patagonischen Ebene auf. Der höchste Gipfel ist der Cerro Paine Grande mit 3050 m. Es war so windstill, dass sich die Berge in kleinen Seen spiegelten.
Da das Wetter gerade so schön war, machten wir uns schnell wieder auf, um den Park zu erkunden. Unser erster Stop war am Hotel Explora, wo man über einen Steg zum Wasserfall Salto Chico laufen kann. Anschließend parkten wir am Campingplatz Lago Pehoé und liefen den Pfad zum Mirador Cóndor, der in 45 Minuten steil nach oben führt, das letzte Stück über rutschiges Geröll. Die Aussicht war eigentlich nicht viel anders als schon von der Straße aus, aber auf dem Weg nach oben hat man immer wieder schöne neue Blickwinkel. An diesem Nachmittag war es fast schon schwülwarm, so dass einem selbst im T-Shirt ziemlich warm wurde. Nach 1,5 Stunden waren wir um 16.45 Uhr wieder am Auto.
Nun fuhren wir zu einem noch imposanteren Wasserfall, dem Salto Grande, hinter der Guardería Pudeto. Vom oberen Parkplatz aus läuft man nur 10 Minuten bis dorthin. Anschließend machten wir von dort noch eine schöne, einfache Wanderung (kaum Höhenmeter) zum Mirador Cuernos (4 km, vom Parkplatz aus eine Stunde).
Wir haben es genossen, dass wir im Park ein Auto zur Verfügung hatten, denn so ist man nicht auf die spärlichen öffentlichen Verbindungen angewiesen und kann auch jederzeit nach Lust und Laune anhalten.
Aus dem Supermarkt in Puerto Natales hatten wir Empanadas, Kartoffelchips und Rotwein mitgenommen, so dass wir uns an diesem Abend selbst verpflegten. Dazu suchten wir uns ein nettes Plätzchen auf einem Hügel unweit der Posada Serrano mit Blick auf den See. Lebensmittel und Getränke kann man ansonsten auch im kleinen Laden an der Rezeption kaufen. Das Leitungswasser und das Gletscherwasser aus den Bächen des Parks kann man problemlos trinken.
Gefahrene Kilometer: 380
Donnerstag, 5.2.09
Parque Nacional Torres del Paine (Wanderung zum Glaciar Grey)
Wetter: bedeckt, vormittags Tröpfelregen, abends sonnig,
windstill, 19 °C
Zum Frühstück gab es Toast, Käse, Schinken, süßes Brot, Marmelade, Haferflocken, Tee, Pulverkaffee. Wir fuhren rechtzeitig los, um die Fähre zum Refugio Paine Grande auf der anderen Seite des Lago Pehoé zu erreichen. 30 Minuten brauchten wir für die Fahrt von der Parkadministration bis Pudeto in der Nähe vom Wasserfall Salto Grande. Der Katamaran von Hielos Patagonicos fährt die Strecke im Sommer drei Mal täglich. Vorbuchen kann man nicht, man muss einfach rechtzeitig da sein. Falls mal nicht alle Passagiere auf das Boot passen sollten, soll der Katamaran wohl noch ein zweites Mal fahren, wodurch man allerdings Zeit verliert. Ein Ticket hin und zurück kostet 18.000 Pesos (22 Euro) pro Person. Um 9.30 Uhr legten wir ab. 30 Minuten dauerte die Überfahrt. Vom Refugio Paine Grande, einem von mehreren Backpackerhosteln im Park, kann man zu einem Aussichtspunkt auf den Grey Gletscher in der Nähe vom Refugio Grey laufen. Die Wanderung war mit 11 km und 3,5 Stunden pro Strecke angegeben, was gut gepasst hat. Wir hatten etwas Sorge, dass wir es nicht rechtzeitig zurück zur Abendfähre um 18.30 Uhr schaffen. Der Weg hatte mehr Höhenmeter als erwartet (350 Hm). Zunächst ging es stetig bergauf bis zum ersten Aussichtspunkt, wo man einen Ausblick von weitem auf den Gletscher hat, wie er an drei Stellen in den Lago Grey kalbt. Bis hierher läuft man etwa zwei Stunden, unterwegs hat man ein paar schöne Ausblicke auf kleine Eisberge unter sich. Wenn man nicht bis ganz zum Ende zum eigentlichen Mirador Glaciar Grey laufen will, sollte man vom ersten Aussichtspunkt wieder zurückgehen. Denn nun folgt ein sehr steiler Abstieg, und den Gletscher sieht man bald nicht mehr. Der Weg führt größtenteils durch Wald bis hinunter zum See, und kurz vor dem Refugio Grey erreicht man den Pfad zum Aussichtspunkt auf die Gletscherwand. Wenn man noch eine Stunde weiterläuft, steht man direkt oberhalb des Gletschers, aber dafür reichte unsere Zeit nicht mehr. Nach insgesamt 30 Minuten Aufenthalt mit kurzem Mittagssnack mussten wir uns bereits wieder auf den Rückweg machen. Eine Stunde hatten wir so noch als Puffer, immerhin ging es auf dem Rückweg steil bergauf, und das mit inzwischen müden Beinen. Wir schafften es aber in der geplanten Zeit, und hatten nun noch eine Stunde Zeit, um im Minimarket des Refugios eine Cola zu kaufen und uns wieder für die Fähre anzustellen.
Alternativ könnte man von der Paine Grande Lodge auch zum Mirador Pehoé laufen, was ein sehr schöner Aussichtspunkt mit Blick auf das Torres del Paine Massiv sein soll. Dieser Weg ist wesentlich kürzer. Oder man läuft an einem weiteren Tag noch ins Valle del Francés unterhalb der Cuernos. Die Wanderungen zum Grey Gletscher und ins französische Tal sind auch Teile des berühmten W-Treks, der in mehreren Tagen durch den Park führt, bzw. des Circuitos, auf dem man das Paine Massiv einmal umrunden kann. Hätten wir vorher gewusst, dass man jedes Mal mit der Fähre fahren muss, um diese Wanderungen als Tagestouren zu machen, hätten wir hier vielleicht auch noch eine Übernachtung eingeplant.
An diesem Abend gingen wir ins Restaurant der Posada Río Serrano. Wir wählten Lomo (Steak) und Milanesa (Schnitzel) mit Fritten und einem gemischten Salat, einer Cola und einem Bier für 17.600 Pesos (21 Euro) plus Trinkgeld. Wir hatten gehört, dass die Restaurants im Park teuer sein sollen, hier war es jedenfalls eher günstig und keineswegs schlecht. Auch die Restaurantpreise der Hostería Pehoé schienen im normalen Bereich.
Gefahrene Kilometer: 34
Freitag, 6.2.09
Parque Nacional Torres del Paine (Wanderung zum Mirador Lago Grey, Fahrt von
West nach Ost durch den Park)
Wetter: vormittags
bedeckt, nachmittags teilweise bewölkt, windig, 15 °C
Leider fing der Tag wieder mit dunklen Wolken an. Heute verließen wir die Posada Río Serrano und fuhren zunächst ganz in den Osten des Parks, bis zum Ende der Straße an der Guardería Lago Grey (16 km). Von dort kann man in 45 Minuten zum Mirador Lago Grey laufen. Dies ist eine einfache Wanderung am Strand des Sees entlang mit Blick in der Ferne auf den Grey Gletscher, im Vordergrund ein paar Eisberge, dann läuft man noch einen Rundweg auf einer kleinen Halbinsel und am Strand wieder zurück. Insgesamt waren wir hier zwei Stunden unterwegs. Je nach Zeit und Lust kann man von hier auch noch eine streckenmäßig kurze aber steile Wanderung zum Mirador Ferrier machen (6 km, 600 Hm) oder zum Pingo Wasserfall (3,5 Stunden, 8 km). Nach weiteren drei Stunden erreicht man von dort den Mirador Zapata, ich nehme an mit Blick auf den Glaciar Zapata. Ab der Hostería Lago Grey werden auch Bootsfahrten zum Grey-Gletscher (ca. 3 Stunden) und Ice Trekking angeboten. Eine weitere Wanderung unweit der Posada Río Serrano führt übrigens noch durch einen Flechtenwald zur Laguna Verde (4 Stunden, 12 km).
Mittlerweile war es 12 Uhr, und wir machten uns auf den Weg in den Ostteil des Parks. Bis zum östlichen Parkeingang benötigten wir etwa zwei Stunden, wobei wir unterwegs nur kurz an der Hostería Pehoé und am Mirador Lago Nordenskjold hielten, und um die Guanakos zu fotografieren, die sich hier im Ostteil in großer Zahl aufhalten. Als wir den Abzweig Richtung Refugio und Hostería Las Torres nahmen, waren wir froh, dass wir nur ein kleines Auto gemietet hatten, denn die Zufahrt führte über eine alte, etwas baufällige und sehr schmale Brücke. Größere Wagen mussten ihre Seitenspiegel anklappen, um gerade so durchzupassen! Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt über die Schotterpiste hatten wir das Refugio Torres erreicht. Hier gibt es zwei Gebäude: das neuere Torre Central und das ältere Torre Norte. Leider gibt es hier nur Mehrbettzimmer mit Gemeinschaftsbad, aber altersmäßig waren wir allemal der Durchschnitt. Für ein Full Bed mit Bettzeug (Handtücher sind separat) inklusive Vollpension zahlten wir im Torre Central 86 US Dollar pro Person pro Nacht Vorauskasse. Ein Full Bed ohne Verpflegung hätte 51 Dollar gekostet. Hätten wir jedoch vor Ort in Pesos gezahlt, hätten wir sicher ein Drittel sparen können, denn der Preis war viel günstiger. Aber Vorbuchen ist in der Hauptsaison anzuraten, denn die begrenzten Betten im Park füllen sich schnell! Immerhin war das Hostel sehr ordentlich und man hatte sogar Blick auf die Torres. Wir waren jedoch froh, dass wir nicht wie ursprünglich vier sondern nur zwei Nächte hier gebucht hatten und die anderen zwei Nächte im Westteil des Parks, denn die Entfernungen sind doch sehr groß! Vom Ost- bis zum Westeingang sind es 36 km, und die ziehen sich ganz schön. Landschaftlich hat uns der Westteil besser gefallen, denn dort fährt man direkt an den türkisfarbenen Gletscherseen entlang. Das Refugio Torres ist übrigens das einzige Hostel im Park, das mit dem Auto angefahren werden kann.
Das Wetter hatte sich mittlerweile gebessert, und die Sonne kam raus. Und da es erst früher Nachmittag war, liefen wir noch ein Stück des Wanderwegs Richtung Las Torres bis zur alten Hängebrücke über den Río Ascencio und anschließend den Interpretive Trail ab der Hostería Las Torres (1 Stunde, 2,5 km). Hier lief man quasi durch eine Pferdeweide (das war natürlich was für mich!), wobei das letzte Stück allerdings sehr matschig war. Auch rund um den Campingplatz und rund ums Hostel liefen Pferde…
Das Abendessen im Refugio wurde in zwei Schichten serviert (19.30 Uhr und 20.30 Uhr). Es gab Spargelsuppe, Hähnchenlasagne und Kuchen (Napkin Pie), dazu Wasser und Brot. Aus Puerto Natales hatten wir uns noch Wein mitgebracht, diesen genehmigten wir uns anschließend im Aufenthaltsraum.
Gefahrene Kilometer: 82
Samstag, 7.2.09
Parque Nacional Torres del Paine (Wanderung zu den Torres)
Wetter: vormittags bewölkt, windstill, mittags Regen, nachmittags
leicht bewölkt, etwas Wind, 15 °C
Auch das Frühstück gab es in zwei Schichten: 7 Uhr und 8 Uhr, wir hatten das spätere reserviert. Nach dem schönen Abend vom Vortag hatten wir nun endlich mal wieder auf besseres Wetter gehofft, aber die Torres hatten sich über Nacht wieder zugezogen. Sollten wir hier wieder genauso Pech haben wie in El Chaltén mit dem Fitz Roy? Aber so schlecht sah das Wetter diesmal auch nicht aus, so hofften wir mal auf das beste für unsere Wanderung zu den Torres, das große Highlight im Park: 9,5 km, 820 Höhenmeter, 3,5 Stunden (one way). Auch dies ist Teil des Ws.
Da wir uns etwa einen Kilometer Wegstrecke sparen wollten, nahmen wir das Auto und fuhren bis zum Parkplatz an der Hostería Las Torres. Um 9 Uhr liefen wir los, zunächst die gleiche Strecke bis zur Hängebrücke wie am Vortag. Ab dem Abzweig zum Refugio Los Cuernos ging es nun eine Stunde steil bergauf bis zu einem weiteren Abzweig Richtung Refugio Los Cuernos. Bis zum Refugio Chileno verliert man wieder etwas an Höhenmetern, wobei man noch eine Geröllhalde passiert, unter uns der Río Ascencio. Nach weiteren 30 Minuten waren wir am Refugio, dem ersten Etappenziel. Die Torres konnte man von hier nur erahnen. Nach einer kurzen Rast ging es nun gemächlich bergauf bergab, größtenteils durch Wald, bis wir nach einer Stunde gegen 12 Uhr das Base Camp Torres erreicht hatten. Aber mit uns war auch eine Regenwolke hier angekommen! Wir flüchteten ins Camp, aber der Unterschlupf dort war schon voll. Daraufhin lud uns der Parkranger auf einen Kaffee oder Tee in seine kleine Hütte ein! Er lebt hier oben sechs Monate im Jahr und unterhält sich gerne mit den Touristen. Er gab uns nicht viel Hoffnung, dass sich das Wetter in absehbarer Zeit wieder ändern würde und die Torres zum Vorschein kämen. Aber nun waren wir schon hier und wollten unser Glück trotzdem versuchen. In Patagonien macht das Wetter sowieso, was es will, und es soll nicht ungewöhnlich sein, alle vier Jahreszeiten an einem Tag zu erleben.
Kaum waren wir wieder losgegangen, hörte der Regen auf. Nun hieß es über ein Geröllfeld steil nach oben zu kraxeln. Nach 45 Minuten hatten wir es geschafft – wir erklommen die letzten Felsen vor dem Aussichtspunkt – und erhaschten gerade noch einen Blick auf die Felstürme, bevor sie in den Wolken verschwanden! Wir wollten die Hoffnung aber noch nicht aufgeben, dass die Torres sich noch einmal blicken lassen würden, und machten es uns erst einmal mit unserem Lunchpaket aus dem Refugio (ein dickes Sandwich mit Hähnchenfleisch, Salat und Käse sowie Erdnüsse, ein Apfel, ein Müsliriegel, ein Muffin, ein kleines Tetrapak Pfirsichnektar) mit Blick auf die Laguna gemütlich – so gut es ging. Denn hier oben auf 1000m Höhe war die Temperatur um einige Grad kälter. Die Felsen waren kalt, wir setzten uns auf unsere Handschuhe. Auch die Mützen kamen wieder zum Einsatz. Aber unsere Geduld wurde belohnt! Nach einer Weile kamen die Felsen nach und nach wieder hinter den Wolken hervor, und kurz bevor wir wieder aufbrechen wollten, zeigten sie sich dann in aller Pracht! Nach insgesamt 2,5 Stunden hier oben machten wir uns um 15.50 Uhr auf den Rückweg. Das Abendessen wartet! Wir sind zügig durchgelaufen, immerhin ging es nun größtenteils bergab, was allerdings ganz schön auf die Knie ging. Nach nur 2,5 Stunden (für den Aufstieg hatten wir an reiner Laufzeit 3 Stunden 15 Minuten gebraucht) waren wir um 18.20 Uhr zurück am Auto. Und das hatte auch noch eine Überraschung für uns parat: Wir hatten hinten links einen Platten! Und das an dem Tag, an dem wir am wenigsten gefahren sind! Schnell noch den Reifen gewechselt und ab unter die Dusche. Wir haben es noch rechtzeitig zum Abendessen um 19.30 Uhr geschafft. Als Vorspeise gab es Ceviche, eine Art kalte Gemüsesuppe, dann Shepherd’s Pie (Hackfleisch mit Kartoffelpüree) und einen Yoghurt Tart Kuchen als Nachspeise.
In der zweiten Nacht blieben zwei der sechs Betten in unserem Zimmer leer. Vielleicht kann man also doch mal Glück haben, dass man hier auch in der Saison kurzfristig noch ein Bett bekommt… Auch an diesem Abend teilten wir uns das Zimmer mit einem netten amerikanischen Ehepaar, deren Sohn in Santiago de Chile lebt. Aber leider mussten wieder die Ohrstöpsel zum Einsatz kommen, denn der Mann schnarcht…
Gefahrene Kilometer: 2
Sonntag, 8.2.09
Parque
Nacional Torres del Paine
(Cascada Paine, Laguna Azul) – Puerto Natales
Wetter: leicht bewölkt,
windig, ca. 19 °C
Irgendwie hatten wir sowie am Fitz Roy als auch hier im Torres del Paine immer an unserem Ankunfts- und Abreisetag das beste Wetter. Um 9 Uhr brachen wir auf. Wir wollten noch in den nordöstlichen Teil des Parks fahren, zur Laguna Azul. Ohne Ersatzreifen ist das auf den Schotterstraßen natürlich ein bisschen riskant. Aber jetzt hatten die Reifen ja schon fast zwei Wochen durchgehalten, über etliche Schotterstrecken. Hoffen wir also einfach mal, dass nun nicht gerade auf den letzten Kilometern noch ein zweiter Reifen fällig wird!
Am östlichen Parkeingang an der Guardería Laguna Amarga verließen wir offiziell den Park, und bogen kurz darauf nach links ab, Richtung Cascada de Paine. Der Blick auf den Wasserfall mit den Torres dahinter war sehr schön. Dies wäre sicher ein optimaler Tag, um dort hochzuwandern. Diese Verbingungsstrecke abseits der Hauptrouten war sehr einsam und uns war gar nicht wohl bei dem Gedanken an den fehlenden Reservereifen… Nach kurzer Zeit fuhren wir mitten durch eine riesige Herde von Guanakos, die hier im Park gar nicht scheu waren, im Gegensatz zu ihren Artgenossen, die wir vorher an den Durchgangsstraßen gesehen hatten.
Schließlich erreichten wir den Abzweig zur Laguna Azul. Auch hier waren überall Guanakos zu sehen. Dann tauchte der See auf, der in einem herrlichen Azurblau leuchtete. Im Hintergrund die Torres! Wir passierten wieder einen Parkeingang, die Portería Laguna Azul, aber hier war niemand zu sehen. Ob unsere Parktickets noch gültig waren, keine Ahnung. Wir wollten aber auch nur kurz mal schauen. Am Seeufer weideten Pferde. Hier werden anscheinend auch Ausritte angeboten. Da hätte ich hier am See mit der tollen Aussicht auch Lust drauf gehabt. Es gibt hier einen Campingplatz, aber keine weitere Unterkunft. Gegen 10.45 Uhr fuhren wir zunächst auf der gleichen Strecke wieder zurück. Diesmal bogen wir aber nicht wieder Richtung Cascada Paine ab, sondern fuhren geradeaus weiter, bis wir wieder auf die Hauptroute nach Puerto Natales stießen. Durch unseren Abstecher hatten wir allerdings die Laguna Amarga verpasst, also fuhren wir noch mal ein kurzes Stück Richtung Nationalparkeingang. Bis zum See war es nicht weit. Dieser leuchtete türkisblau und bot ebenfalls einen herrlichen Blick auf die Torres.
Um 11.30 Uhr verließen wir dann endgültig den Torres del Paine. 105 km waren es bis Puerto Natales. Zur Zeit sind nur die letzten 50 km vor Puerto Natales auf dieser Strecke geteert. An der Teerstraße zwischen Cerro Castillo und Puerto Natales wird gerade gebaut. Wir waren froh, als wir die Schotterstraßen endlich hinter uns hatten. Wenn man den Park aus östlicher Richtung anfährt, sieht man das Torres del Paine Massiv von weitem aus der Ebene herausragen, die westliche Zufahrt ist hügeliger. Kurz nach 13.30 Uhr erreichten wir Puerto Natales. Diesmal hatten wir eine andere Unterkunft gebucht, allerdings nur eine Parallelstraße weiter Richtung Ortszentrum.
Nach dem Einchecken ins Hostal Las Carretas (28.000 Pesos/34 Euro für ein Zimmer mit Twin Beds) liefen wir ein wenig durch den Ort und kehrten bei Café & Books (Blanco Encalada 226A) auf einen Café ein. Hier war es sehr nett, eine Mischung aus Café und Buchladen. Anschließend gab’s noch mal ein Eis in der Eisdiele an der Santander Bank.
Zum Abendessen gingen wir ins Ultima Esperanza (Eberhard 354): Pollo al conac mit Puré de papas und Tomaten-/Avocadosalat sowie Roasted Lamb mit Kartoffeln und chilenischem Salat plus eine kleine Flasche Rotwein für 14.600 Pesos (18 Euro) zuzüglich Trinkgeld. Das war gut und günstig.
Gefahrene Kilometer: 249
Montag,
9.2.09
Puerto Natales – El Calafate
Wetter: leicht bewölkt, windig, ca. 16 °C
Zum Frühstück gab es Toast, Marmelade, Cornflakes, Joghurt, Kaffee, Tee. Nach dem Auschecken suchten wir zunächst eine Wechselstube auf, um unsere überzähligen chilenischen Pesos loszuwerden. Für den Aufenthalt im Torres del Paine war es schwierig abzuschätzen, wieviel Bargeld wir mitnehmen müssen und nun hatten wir noch einiges übrig. Leider hatten sie in der Casa de Cambio nur 200 argentinische Pesos (44 Euro), also nahmen wir den Rest in Euro, Dollar wäre auch noch möglich gewesen. Wahrscheinlich hätten wir das Geld aber am besten mitgenommen und in El Calafate in argentinische Währung getauscht. Um 9.15 Uhr kamen wir los. Eine Wanderung zum Mirador Dorotea hätte man noch machen können (kostenpflichtiger Zugang ein paar Kilometer vor Puerto Natales), aber darauf hatten wir keine Lust. Schnell war die Grenze wieder erreicht, inzwischen kannten wir das Prozedere und es ging diesmal sehr flott. Bei der Ausreise in Chile mussten wir noch ein paar Gesundheitsfragen beantworten. Bei der Einreise in Argentinien gab es weder eine Gepäcks- noch eine Lebensmittelkontrolle.
Hinter Rìo Turbio ging es durch ein Tal, dann wieder hoch auf die Ebene. Einen Moment flogen Kondore in größter Nähe über unser Auto hinweg.
Da wir ja keinen Reservereifen mehr hatten, hatten wir uns entschlossen, nicht die Fahrt über die 70 km Abkürzung auf der Schotterpiste zwischen Tapi Aike und El Cerrito zu riskieren. Stattdessen nahmen wir die geteerte Route außen rum über Esperanza, was knapp 80 km Umweg bedeutete. Da man aber statt mit knapp 50 km mit gut 100 km Geschwindigkeit fahren konnte, kam man doppelt so schnell voran. Letztendlich machte es von der Fahrtzeit also keinen Unterschied, und auf Teer sollte eigentlich nicht so schnell was passieren. Die Straßen waren sehr einsam, es gab kaum Verkehr, kaum Häuser oder Ortschaften, ab und an eine Estancia, ansonsten Schafe und Nandus. Die Sonne brannte, aber es wehte ein kalter stürmischer Wind. Am Aussichtspunkt, kurz bevor man nach El Calafate runterfährt, bekamen wir zum zweiten Mal zu spüren, was in Patagonien Wind bedeutet! Nämlich Sturm!
Um 13.45 Uhr erreichten wir El Calafate. Diesmal hatten wir eine Unterkunft in der Nähe des Vogelschutzgebiets Laguna Nimez gebucht, die wir allerdings ein Weilchen suchen mussten, da es nicht ausgeschildert war. In der Hostería Cauquenes de Nimez zahlten wir 260 Pesos (57 Euro) für ein Twin Bed Zimmer. Im Gegensatz zu allen anderen Unterkünften (außer in El Chaltén und im Torres del Paine) gab es hier keinen Fernseher auf dem Zimmer.
Im Café elba’r gingen wir einen Kaffee trinken, anschließend wollten wir zur Laguna Nimez, aber diese war leider geschlossen, da die Wege überflutet waren. Man konnte allerdings schon viel vom Zaun aus sehen, vor allem Gänse und Flamingos, aber vor allem letztere waren recht weit weg (leider hatten wir kein Tele (mehr) dabei), ein paar Hunde, die im Wasser tobten.
Zum Abendessen gingen wir ins beste Grillrestaurant der Stadt: La Tablita, gleich vor der Brücke. Um 19 Uhr waren wir hier noch zu früh dran, das Restaurant öffnete erst um 19.30 Uhr, aber schon hatte sich eine Warteschlange gebildet, also waren wir gerade noch rechtzeitig, um einen Platz zu bekommen. Am besten sollte man reservieren. Wir nahmen den Carnes Mix für zwei Personen bestehend aus Lamb, Sirloin + Tenderloin Steak, dazu ein gemischtes Püree aus Kartoffeln und Kürbis, eine Ensalada Completa (d.h. ein grüner Salat mit Tomaten, Bohnen, Ei, roter Beete, Möhren, Zwiebeln), eine kleine Flasche Rotwein und zwei kleine Flaschen Wasser. Das Fleisch war spitzenmäßig! Allerdings gab es hier keinen selbstgemachten Dipp zum Brot sondern nur ein Päckchen Frischkäse. Insgesamt zahlten wir 194 Pesos (42 Euro) plus Trinkgeld.
Gefahrene Kilometer: 297
Dienstag, 10.2.09
El Calafate – Buenos Aires
Wetter: sonnig, windig, ca. 18 °C
Heute geht es leider von Patagonien zurück nach Buenos Aires. Das Frühstück war weitgehend das übliche: kleine Croissants, geröstete Brotscheiben, Käse, Schinken, Marmelade, Kaffee, Tee. Um 9.15 Uhr haben wir ausgecheckt. Wir liefen noch die wenigen Meter bis zum Zaun an der Laguna Nimez (der offizielle Eingang war an einer Nebenstraße). An diesem Morgen befand sich hier auch eine Pferdeherde ganz in der Nähe. Wir konnten schon von unserer Unterkunft beim Frühstück sehen, wie sie durch’s Wasser liefen. Anschließend drehten wir noch eine Runde an der Bahía Redonda bis zur Punta Soberana mit Blick auf die kleine Isla Solitaria. Die Straße endete in einer Sackgasse und leider wieder auf Schotter. Da wir heute abreisen sollten, wurde uns nun doch sehr mulmig, wenn nun noch etwas passieren sollte, ohne einen Reservereifen dabeizuhaben.
Eigentlich hätten wir diesen Tag noch als Puffertag für den Perito Moreno Gletscher oder die Bootstour nutzen können (allerdings war es diesmal nicht so windstill und dementsprechend Wellengang), denn unser Rückflug ging erst abends. Auch am Vortag hätten wir nachmittags noch in den Nationalpark fahren können, wenn uns beim ersten Mal das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Um nun noch ein zweites Mal zum Gletscher zu fahren, war die Strecke doch ein bisschen weit, und dann auch noch das Risiko wegen des Reifens (auch wenn’s eine Teerstrecke ist). Also hatten wir noch Zeit totzuschlagen. Man hätte ansonsten noch auf den Hausberg von El Calafate wandern können, den Mt. Calafate, oder auch den Mt. Walichu, aber Duschen war ja nicht mehr drin. Oder eine Jeeptour dort hoch machen, oder Ice-Trekking, aber das wurde uns jetzt auch zu stressig. Stattdessen liefen wir einfach noch ein paarmal die Hauptstraße im Ort, die Avenida Libertador, rauf und runter. Bald kannten wir sie auswendig! Mittags gingen wir noch einmal ins La Cocina Pasta essen und anschließend auf einen Kaffee in die Libro-Bar „Borges & Alvarez“, wieder eine Mischung aus Café und Buchladen. In El Calafate gibt es jede Menge Touristenläden, wo man noch nach Andenken stöbern kann. Eigentlich ist es schade für die Geschäfte dort, wenn die Fluggesellschaften das Gepäck so sehr beschränken, dass man keinen Platz mehr für größere Mitbringsel hat. Wir gönnten uns noch ein Eis bei Helados & Cremas, was sehr lecker war (Cielo und Americana!). Dann holten wir fürs Abendessen noch Empanadas bei einem Bäcker. Diese sind mit 2 Pesos (0,44 Euro) pro Stück wirklich günstig, und auch sehr lecker.
Unser Flug war erst für 19.28 Uhr vorgesehen. Wieder hatte Aerolineas Argentinas unseren Rückflug kurzfristig vom innerstädtischen Flughafen (Jorge Newbery) auf den internationalen Flughafen (Ezeiza) verlegt. Eine Stunde vorher Einchecken soll ausreichen. Die Mietwagenrückgabe hatten wir für 18.30 Uhr vereinbart. Trotzdem machten wir uns schon um 17 Uhr auf den Weg. 20 km waren es bis zum Flughafen. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass der Abflug mit 1,5 Stunden Verspätung angegeben war, da die Maschine aus Ushuaia erst um 20.18 Uhr ankommen sollte. Na toll, also noch länger hier rumhängen… Wir checkten trotzdem erst mal ein, um unser Gepäck loszuwerden. Diesmal waren noch 18 Pesos (4 Euro) Airport Tax pro Person zu zahlen. Als der Alamo-Mann um 18 Uhr auftauchte, konnten wir auch den Mietwagen loswerden. Wir gingen raus, um den Wagen zu begutachten. Zu dem platten Reifen oder dem Staub auf dem Auto sagte er nichts. Insgesamt hatten wir in 16 Tagen 3204 km zurückgelegt.
Anschließend ließen wir uns im Selbstbedienungsrestaurant nieder. Um 19 Uhr erfolgte dann doch schon ein Aufruf unserer Maschine. Na nu, geht es nun doch früher los? Wir gingen durch die Sicherheitskontrolle (Wasser/Flüssigkeiten mitnehmen war kein Problem), und tatsächlich, um 19.32 Uhr landete die Austral-Maschine aus Ushuaia. Und 30 Minuten später hoben wir ab, mit nur 30 Minuten Verspätung. Die Flugzeit betrug 2,5 Stunden und wir landeten sogar noch 20 Minuten vor der geplanten Zeit in Buenos Aires um 23.30 Uhr. Nach patagonischer Zeit war es noch eine Stunde früher, also war es noch gar nicht so spät für uns. Während es auf dem Hinflug nur ein Sandwich gab, erhielten wir diesmal sogar ein kleines Abendessen: Reissalat mit Hähnchenstücken und dazu kostenlos Wein oder Bier. Während des Fluges konnte man sogar ins Cockpit sehen.
Wir nahmen uns wieder eine Remise von Tienda Leon (144 Pesos), und waren eine Stunde nach Ankunft im Hotel, abermals das Reino del Plata.
Gefahrene Kilometer: 43
Mittwoch, 11.2.09
Buenos Aires (Recoleta, Palermo)
Wetter: leicht bewölkt,
28 °C
Wir schliefen erst mal aus, gegen 11.15 Uhr machten wir uns dann auf den Weg.
Diesmal nahmen wir die U-Bahn, genannt Subte, um nach Recoleta zu kommen. Trotzdem muss man von der nächstgelegenen U-Bahn-Station noch ein Stück laufen. Mit der Linie D gelangt man von der Plaza de Mayo (Station Catedral) ohne Umsteigen in 15 Minuten zur Station Pueyrredon. Die Einzelfahrt kostet 1,10 Pesos pro Person: 0,25 Euro. Nun waren es noch ein paar Blocks entlang der breitspurigen Avenida Pueyrredon bis zum Cimeterio Recoleta, dem berühmten Friedhof, auf dem sich auch das Grab von Eva Perón befindet. Während Evitas Grab in der Gruft der Familie Duarte eher schlicht gehalten ist, findet man hier viele monumentale Mausoleen, sehr sehenswert. Am Friedhofseingang an der Plaza Alvear befindet sich eine Übersicht, auf denen die Gräber bekannter Persönlichkeiten abgebildet sind. Evitas Grab ist die Nr. 57 – oder war es die 37? Direkt nebenan befindet sich die Basílica de Nuestra Señora de Pilar, eine sehenswerte Kirche. Und geht man noch ein kleines Stück weiter, kommt man an das Centro Cultural Recoleta in einem ehemaligen Kloster und an das Buenos Aires Design, eine moderne Ladengalerie mit Restaurants. Hier kann man sehr schön auf einer Terrasse mit Sonnenschirmen sitzen. Das Oasis Café bot mittags ein Promo Almuerzo: Grilled Chicken mit Papas Españoles sowie einem Soft Drink und einem Espresso für 36 Pesos pro Person (8 Euro).
Wir liefen ein kurzes Stück durch die Avenida Alvear mit alten herrschaftlichen Häusern, aber so besonders hat uns dies nicht beeindruckt, und unweit des Museo Nacional de Bellas Artes erreichten wir die Floralis Genérica, eine riesige Metallblume, die sich je nach Tageszeit hydraulisch öffnet oder schließt. Vielleicht hätten wir aber doch noch ein bisschen weiter durch das Viertel Recoleta laufen sollen, denn dort soll es noch die ein oder andere nette Ecke geben, aber die touristischen Sehenswürdigkeiten hatten wir gesehen, und anhand des Stadtplans entschlossen wir uns über die Plaza República del Uruguay und die Plaza República de Chile sowie den Parque Las Heras (hier lagen viele Sonnenanbeter neben ein paar Obdachlosen und spielenden Kindern) Richtung botanischem Garten und Palermo zu laufen. Der botanische Garten war von sehr vielen Katzen bevölkert, zum Glück weniger von Obdachlosen. Wir erreichten die verkehrsreiche Plaza Italia und den Zoo, beschlossen aber, dass sich ein Besuch des letzteren wohl nicht sonderlich lohnen würde. Wir wollten noch ein bisschen den Stadtteil Palermo erkunden, eines der bevorzugten Wohngebiete der Stadt. Das Viertel teilt sich auf in Palermo Viejo, Palermo Soho und Palermo Hollywood. Aber wir konnten nicht viel Interessantes entdecken. Vielleicht sind wir nicht weit genug gelaufen, aber so langsam hatten wir auch keine Lust mehr. Auf jeden Fall war es hier etwas ruhiger und schicker als im Microcentro, wo wir wohnten. Für den Abend wären wir gerne ins Buenos Aires Design zurückgekehrt, aber leider ist Recoleta mit der U-Bahn schlecht zu erreichen, ohne noch ein ganzes Eck zu laufen. Für mittwochabends (heute war Mittwoch) um 20 Uhr wurde auf der Terrasse eine kostenlose Tango Show and Lesson angekündigt. Stattdessen gingen wir unweit unseres Hotels ins Cabildo de Buenos Aires zum Abendessen: Steak mit Champignonsauce und Schnitzel mit Madera-Sauce mit Papas Noisette, einem gemischten Salat und einer Flasche Rotwein für 124 Pesos (28 Euro) plus Tip. Anschließend liefen wir noch mal ein Stück die Fußgängerzone Calle Florida rauf, wo jetzt Straßenhändler ihre Ware ausgebreitet hatten, um ein wenig vom abendlichen Trubel zu erleben.
Donnerstag,
12.2.09
Buenos Aires (La Boca, Puerto Madero)
Wetter: sonnig, 30 °C
Mit dem Hotel hatten wir vereinbart, dass wir gegen 53 US Dollar Aufpreis erst um 18 Uhr auschecken müssen. Nach dem Frühstück bestellten wir uns um 10.30 Uhr an der Rezeption ein Taxi nach La Boca. Wir nahmen nur etwas Geld und die Kamera mit. 15 Pesos (3, 45 Euro) kostete die Fahrt. Alternativ hätten wir mit dem Bus fahren können. Aber dafür hatten wir nicht das benötigte Münzgeld. La Boca ist das alte Hafenviertel, wo vor allem ärmere italienische Einwanderer wohnten. Hier mündet der Fluss Riachuelo in den Río de la Plata. Die Straße El Caminito ist eine große touristische Sehenswürdigkeit. Die Häuser wurden aus alten Blechen gebaut und dann bunt mit Schiffslack bemalt. Das ist sehr schön anzuschauen, man findet viele tolle Fotomotive. Die Häuser sind heute noch bewohnt. Kunsthandwerker stellen in den Straßen ihre Werke aus, man sieht Tangotänzer und kann sich mit einem Maradona-Lookalike fotografieren lassen. Hier in La Boca wurde angeblich der Tango erfunden. Aber es war ein Spießrutenlauf. Ständig wurde man recht handfest angesprochen, ob man etwas kaufen, sich ins nächste Café setzen oder mit einem Tangopaar fotografieren lassen wolle. Und dann muss man noch aufpassen wie ein Schießhund, dass man nicht beklaut wird. In den Seitenstraßen soll das Viertel auch keinesfalls ungefährlich sein.
Wir liefen kurz durch die Straßen und an der Hafenpromenade entlang zur alten Stahlbrücke, machten unsere Fotos und stiegen am Taxistand in das nächste bereitstehende Taxi. Dabei achteten wir darauf, dass es als Radio Taxi ausgewiesen war. Im Taxi selbst sahen wir jedoch keine Lizenz hängen. Der Fahrer schaltete das Taximeter ein, dann fuhr er erstmal in irgendwelche dubiosen Seitenstraßen!
Auf meine Frage hin, ob dies denn die richtige Richtung zu unserem genannten Ziel Puerto Madero sei, meinte er dann, dass er wegen der Einbahnstraßen nicht die gleiche Strecke zurücknehmen könne. Schließlich näherten wir uns dann doch Puerto Madero. Am Ziel angekommen, konnte der Fahrer auf 100 Pesos (23 Euro) kein Wechselgeld rausgeben. Mist, das hätten wir uns auch denken können bzw. vorher abklären sollen. Er meinte, es wäre heute seine erste Fahrt, dementsprechend hätte er noch kein kleineres Geld. Bis auf einen 5 Pesos Schein hatten wir es aber auch nicht mehr kleiner. Zum Glück war gerade eine Bank in der Nähe. Dort sollten wir reingehen und das Geld tauschen lassen. Er wartete draußen, bis wir mit den 15 Pesos Fahrtgeld wieder herauskamen.
Wir liefen über die Puente de la Mujer auf die andere Seite des Hafenbeckens. Dann liefen wir die Promenade entlang und genossen auf einer Bank in der Sonne sitzend unseren letzten Urlaubstag. Anschließend suchten wir uns eins der vielen Restaurants für unser Mittagessen aus. Das La Madeleine ganz am östlichen Ende hatte ein Mittagsangebot: Schnitzel mit Zwiebelsauce und Bratkartoffeln, inklusive Softdrink und eingelegten Birnen zum Nachtisch für 28 Pesos (6,50 Euro).
Danach liefen wir zur Calle Florida, wo wir uns in einer Eisdiele (unweit der Diagonal Norte/Av. Roque S. Pena) bzw. Bartolomé Mitre) ein sehr leckeres Eis gönnten: 1/4 kg Becher für 12 Pesos (2,75 Euro). Anschließend gab es im berühmten Café Tortoni in der Avenida de Mayo (gegenüber der U-Bahn-Station Piedras) noch einen Kaffee. Es ist das älteste Café der Stadt.
Schließlich gingen wir noch einmal zur Plaza de Mayo, wo immer noch jeden Donnerstag um 15.30 Uhr die Mütter, die Madres de Plaza de Mayo, gegen das „Verschwinden“ ihrer Kinder und Ehemänner unter der Militärdiktatur demonstrieren.
Inzwischen war es an der Zeit, ins Hotel zurückzukehren. Um 18.30 Uhr kam unser Taxi zum Flughafen Ezeiza (90 Pesos). Als wir um 19 Uhr dort ankamen, wurden die Lufthansa-Schalter gerade aufgemacht. 30 Minuten später war der Check-in erledigt, und wir hatten unsere 63 Pesos bzw. 18 US Dollar) pro Person Airport Tax bezahlt (Kreditkarte wird auch akzeptiert). Unser restliches Bargeld reichte noch für eine Tafel Schokolade und eine Cola, die wir sogar mit durch die Sicherheitskontrolle nehmen durften. Hier waren Flüssigkeiten nicht verboten. Ein riesiger Duty Free Bereich gleich einem Kaufhaus verführt zum Shoppen. Aber hier finden wir selten etwas Passendes.
Unsere Maschine startete pünktlich um 22.50 Uhr. 12 Stunden 45 Minuten Flugzeit lagen vor uns. Diesmal flogen wir etwas weiter nördlich, über die Azoren, und erreichten bei Nantes die französische Küste. Wir schafften es offenbar sogar ein wenig zu Schlafen. Den Bordfilm „Vicky Cristina Barcelona“ haben wir verpasst. Am Morgen lief noch „Eagle Eye“. Um 15 Uhr Ortszeit (12 Uhr nach argentinischer Zeit) kamen wir am Freitag den 13.2. wieder in Frankfurt an. Da wir bis ans äußerste Gate im Terminal A mussten, haben die 1,5 Stunden für unseren Anschlussflug nach Düsseldorf gerade so gereicht. Dieser war vorgesehen für Abflug 16.30 Uhr, Ankunft 17.20 Uhr. Bevor wir starten konnten, musste die Maschine erst noch enteist werden. Es waren knapp 5 °C, alles grau. Wir landeten pünktlich, holten unser Gepäck ab, dann ging’s ab in die S-Bahn nach Hause…
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